Neues StartUp Park2Gether oder warum dumme Ideen nicht aussterben

Es gibt so Tage, da sieht man etwas und sucht die versteckte Kamera. Heute war wieder so einer, zumindest in dem Moment als ich mit der Ringbahn an einem Plakat eines neuen StartUps vorbei kam. „Park2Gether – Erfinde mit uns das Parken neu!“ oder so ähnlich lautete der wenig kreative Werbespruch. Sofort fühlte ich mich zwei Jahre zurück versetzt, in die Vorlesung Entrepreneurship an der Uni. Dort sollten wir Studenten lernen, wie man eine Idee erfolgreich in ein jung, dynamisches StartUp-Unternehmen führt und damit Geld verdienen und die Welt verbessern kann. Das war zumindest die Idee dahinter. Das was ich aus dieser Veranstaltung aus jeder Menge Bullshit-Bingo, Buisnessplänen, Venture-Capital-Grundlagen und anderem „Handwerkszeug“ der StartUp-Szene mitgenommen habe war, dass ich jetzt jedes Mal, wenn so ein StartUp über Facebook in Studentengruppen nach „Techies“ für eine App sucht, in schallendes Gelächter ausbreche.

Als Semesterprojekt sollten wir damals als Planspiel ein StartUp-Unternehmen entwickeln, das wir nach dem Studium, so zumindest die Hoffnung des Professors, auch umsetzen. Man sollte erwähnen, dass die Veranstaltung sowohl von Wirtschaftsinformatikern, als auch „normalen“ Informatikern besucht wurde. Das sollte wohl irgendwie „Synergieeffekte“ produzieren, was aber spätestens nach dem legendären Satz eines BWLers (BWL-Bachelor und 2. Semester Wirtschaftsinformatik)

„Wir haben hier eine coole Idee und einen fertigen Buisnessplan. Wir suchen jetzt noch einen Techie der uns das programmiert!“

aus mir relativ verständlichen Gründen scheiterte. So kam es dann auch, dass jede Gruppe für sich blieb und eigene Kleingruppen bildete. Die Informatiker meist sehr technische StartUps ausarbeiteten und die Wirtschaftsinformatiker eher die App-Schiene bedienten.

Soviel zur Einführung. Unter den damals vorgestellten Geschäftsideen war genau die von Park2Gether. Man benutzt eine App um in der Innenstadt den eher knappen Parkraum besser zu nutzen. Quasi Mitfahrgelegenheit.de für Parkplätze. Ich gebe zu, die Idee wurde damals ziemlich verrissen, nicht zuletzt auf Grund von rechtlichen Bedenken. Umso neugieriger war ich nun, wie Park2Gether diese Probleme lösen will und wer bereit war Geld in ein solches Projekt zu investieren. Abgesehen davon wollte ich mich schon seit längerem einmal ausführlich dem Thema StartUp-Economy widmen und Park2Gether kam gerade günstig vorbei.

Rechtliche Probleme

Damals in der Vorlesung war das größte Problem, dass man ja schlecht Geld dafür nehmen kann, wenn ich jemanden meinen Parkplatz überlasse, zumindest wenn es sich um öffentliches Straßenland handelt. (da war die konkrete Idee, dass ich Parkplätze inseriere, auf denen ich parke und die Abfahrtzeit mitteile, damit Interessenten rechtzeitig vorbei kommen können). Das umgeht Park2Gether relativ simpel, indem nur Besitzer von Parkplätzen diese anbieten dürfen. Das ganze hat natürlich den Nachteil, dass es die Zahl der potentiellen Parkplätze drastisch sinkt.

Ein weiteres Problem, was ich dabei sehe und für das ich momentan noch auf eine Antwort von Park2Gether warte, ist das merkwürdige Phänomen, dass Parkplätze, sofern sie frei zugänglich sind, relativ oft von Menschen genutzt werden, die dazu gar nicht berechtigt sind. Ich kenne zwar die Zustände in Hamburg nicht (das Projekt startet in Berlin und Hamburg), kann mir aber vorstellen, dass sie mit Berlin vergleichbar sind, wenn nicht sogar schlimmer. Es muss ja einen Grund geben, weshalb Parkbügel auf Mietparkplätzen oder Schranken für Anwohnerparkplätze eingeführt wurden.
Allerdings sagen die AGBs von Park2Gether eindeutig, dass nur Parkplätze angeboten werden dürfen, die frei zugänglich sind. Immerhin wird eine Hotline angeboten, bei der sich der Besitzer eines Parkplatzes beschweren kann, falls ein Kunde zu lange auf dem Parkplatz stehen bleibt. Wie das aber mit unbeteiligten Dritten aussieht wird nicht ersichtlich.
Richtig lustig wird es dann, wenn man es mit Nutzern zu tun bekommt, die sich nicht an die Spielregeln halten. Immerhin darf der Besitzer des Parkplatzes 50% auf den Mietpreis aufschlagen, aber erst nach zwei Stunden Überziehung den Abschlepper kommen lassen. Natürlich auf Kosten des Nutzers und jeder der einmal ein Auto von seinem gemieteten Parkplatz hat abschleppen lassen weiß, dass es da zwei große Probleme gibt. Das eine heißt Anfahrtsweg und das andere Vorkasse. Das ist dann eben Pech wenn der Dauerparker weg ist, bevor der Abschlepper da ist oder sich hinterher weigert zu zahlen oder zahlungsunfähig ist. In beiden Fällen bleibt man auf den Kosten sitzen. Park2Gether ist clever, gibt zwar den Mietvertrag vor, exkludiert sich aber vorsichtshalber ausdrücklich als beteiligte Partei und bietet lediglich eine 0800er-Hotline, da ist Spaß vorprogrammiert.

Finanzielle Probleme

In der oben erwähnten Vorlesung gab es einen Moment an dem die Informatiker sich mit dem Verständnis recht schwer getan haben, im Vergleich zu den Wirtschaftsinformatikern. Das war der Punkt der Finanzierung. Es hatte schon eine gewisse Komik, dass Menschen die die Komplexität von Algorithmen ausrechnen und diverse Ableitungen mit Ketten- und Produktregel im Kopf lösen können, ein arges Verständnisproblem beim Prinzip von Unternehmensanteilen und deren Wertsteigerung aufwiesen. Durch meine Erfahrung mit der Finanzierung von Jugendprojekten und dem Interesse an wirtschaftlichen Prozessen, konnte ich ihnen aber schnell helfen. Nachdem ich ihre Vorstellung um den Parameter „Geld erfinden“ erweitert hatte, schien es allen mehr oder weniger einzuleuchten. Nicht dass es auch nur einer für sinnvoll hielt, aber danach erkannten sie zumindest die Logik dahinter.

Generell ist die Finanzierung ein kritisches Thema bei StartUps. Es gibt diejenigen, die irgendwann vielleicht ganz groß werden, so wie Facebook, Amazon oder Google, wobei gerade Amazon zeigt, dass man davor ewig lange rote Zahlen schreiben könnte, bis man groß genug ist und als Monopolist alle Konkurrenz verdrängt hat. Dann gibt es noch die „Erfolgsstories“ wie Zalando oder StudiVZ, die schnell sehr groß wurden und dann teuer verkauft werden, meist bevor sie anfangen sich zu rentieren oder bevor auffällt, dass das Konzept gar nicht tragfähig ist. Aktuellstes Beispiel Mitfahrgelegenheit.de. Irgendwann mussten sie ja anfangen Geld zu nehmen und das war der Punkt, an dem sie ihren eigenen Untergang besiegelt haben. Lustigerweise regen sich die Nutzer da über eine Provision von 11% auf Fahrtpreise auf. Bei Park2Gether wird eine pauschale Vermittlungsgebühr von 25% genommen.

Den paar Erfolgsgeschichten steht eine Vielzahl von StartUps gegenüber die nie aus der so genannten „Seed“-Phase herauskommen oder noch früher scheitern. Reich werden damit die wenigsten und immer mal wieder liest man von Leuten, die schon ihr zweites, drittes oder gar viertes StartUp gründen. Entweder lohnt sich das finanziell nicht oder man ist damit nicht wirklich ausgelastet. Ein Beispiel dafür war unser BWLer der nach „Techies“ suchte.

Ein weiterer Punkt der bei der Finanzierung oft vergessen wird ist die Haftung bei Totalausfall. Je nach Geschäftsform kann das persönlich durchaus schmerzhaft werden, vor allem wenn Venture-Capital im Spiel ist. Geldgeber haben meist Vorrang vor den Gründern selbst, wenn es um Rekapitalisierung bei Geschäftsabwicklung geht. Von den Gewinnforderungen die solche Geldgeber teilweise als Rendite erwarten mal ganz zu schweigen. Solche Renditen lassen sich größtenteils nur durch einen Verkauf zu utopischen Summen über dem eigentlichen Marktwert erreichen. Wie bekommt man nun aber einen möglichst hohen Marktwert? StudiVZ hat es vorgemacht, man verkauft Nutzerdaten und das führt uns zum nächsten Punkt.

Datenschutz

Nach meiner Einschätzung lässt sich mit StartUps nur dann viel Geld verdienen, wenn man sie teuer verkauft. Damit eine große Firma wie Bertelsmann ein StartUp kauft, muss es entweder eine herausragende Idee haben und dazu möglichst schon die Patente oder aber eine hohe Reichweite besitzen. Da Nutzerzahlen der Maßstab sind in denen Reichweite gemessen wird, muss eine solche Community also möglichst viele Nutzer haben. Eigentlich sagt der Punkt „Wahlmöglichkeit“ in den AGBs schon alles, worum es hierbei wirklich geht:

Wir möchten die Daten der Teilnehmer dazu nutzen, diese über unsere Produkte und Dienstleistungen informieren zu können und sie gegebenenfalls hierüber zu befragen. Selbstverständlich ist die Teilnahme an solchen Aktionen freiwillig. Falls ein Teilnehmer hiermit nicht einverstanden sein sollte, kann er uns dies jederzeit mitteilen, damit wir die Daten entsprechend sperren können. Weitergehende Informationen sind auf der jeweiligen Website zu finden.

Noch deutlicher wird es in Artikel 5.5 der AGB:

5. Der Teilnehmer ist damit einverstanden, dass die Kontaktdaten und Daten zu in Anspruch genommenen Leistungen durch die DMS zur Information und Beratung über Produkte und Dienstleistungen der DMS und der mit ihr verbundenen Unternehmen sowie zur Marktforschung verarbeitet und genutzt werden dürfen. Die Kontaktaufnahme kann auch per E-Mail erfolgen. Falls ein Teilnehmer hiermit nicht einverstanden sein sollte, kann er dies der DMS jederzeit mitteilen, damit die Daten entsprechend gesperrt werden können.

Wir, das ist in diesem Fall die Daimler Mobility Services GmbH und ich finde ein schöneres Beispiel, warum wir beim Datenschutz ein Opt-In erzwingen sollten. Was die interessante Frage aufwirft, ob ein derartiges Opt-Out rechtlich überhaupt statthaft ist. Vielleicht ein Fall für die Verbraucherzentrale.
Ansonsten wenig überraschendes, Standortdaten, Profilbildung, Partner, Agenturen und Mitarbeiter (die natürlich nicht einzeln aufgelistet werden) sind zur Vertraulichkeit verpflichtet und man gibt Daten nur an Behörden und staatliche Stellen, wenn es gesetzlich vorgeschrieben ist.

Das hat nochmal ein ganz besonderes Geschmäckle, weil für die Abwicklung ein sogenannter Wallet-Dienst (Zahlengsdienst z.B. auch für Handys) benutzt wird und man eine Kreditkarte benötigt. Immerhin ist der Wallet-Dienst www.tunz.com aus Belgien aber anscheinend liegen die Server bei CBS Interactive Inc. in San Francisco, so dass man wohl davon ausgehen kann, dass der Zahlungsverkehr von genügend staatlichen Stellen mitgelesen wird, auch ohne die Herausgabe durch Park2Gether. Aber schön, dass Social-Bookmarks mit einer Zwei-Klick-Aktivierung versehen werden.

Früher gab es den Spruch: „If the service is free, maybe you’re the product!“ Inzwischen ist der Service nicht mehr kostenfrei und man ist immer noch die Ware.

Fazit [tl:dr]

Mit Park2Gether kommt ein neues StartUp auf den Markt, das sich für Anbieter von Parkplätzen wohl nur dann lohnt, wenn sie immer neben dem zu vermietenden Parkplatz stehen und alle die nicht gebucht haben sofort verjagen. Außerdem müssen sie Preise nehmen, bei denen sich der Aufwand plus 25% Provision noch rechnet. Für die Nutzer solcher Parkplätze heißt es, so jemanden zu finden und dann zu hoffen, dass der Preis bei einer 60-Minuten-Taktung annehmbar ist.

Irgendwie muss ich grad an einen Parkplatz mit einer Schranke und einem kleinen Häuschen davor denken.
Ansonsten gilt:

  • Öffentliche Parkraum-Bewirtschaftung rechnet im 15-Minutentakt
  • Öffentliche Parkraum-Bewirtschaftung ist weit verbreitet
  • Für das Geld, das manche für’s Parken aufwenden, kann man auch ein Ticket für den ÖPNV kaufen und Park&Ride nutzen
  • Car-Sharing-Autos (meist Elektroautos) dürfen in öffentlicher Parkraum-Bewirtschaftung meist kostenlos  parken

Das sind m.E. bessere Wege die Umwelt zu schonen.

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3 Antworten zu Neues StartUp Park2Gether oder warum dumme Ideen nicht aussterben

  1. Christian schreibt:

    Ich kann deine Argumentationen gut nachvollziehen. Du wirfst aber zwei Dinge durcheinander.
    1. Diese Start-up-Blase
    2. Diese Parkplatz-App/Seite/Dienstleistung/Plattform/Wasauchimmer

    Zu 1.
    Die Start-up-Blase wächst und sie wird (da brauchen wir uns mal nichts vorzumachen) irgendwann platzen. Wer es versuchen möchte, sollte das ruhig tun, sich aber vorher mit den Risiken vertraut machen. Gründen, aufbauen, verkaufen und dann mit der nächsten Idee von vorne anfangen. Solange da weiter Geld von allen möglichen und unmöglichen (Risiko-)Kapitalgebern locker gemacht wird, ist das doch kein Problem.
    Wir lassen sie das tun und stehen dann nachher lachend da.

    Zu 2.
    Die meisten deiner Einwände beruhen darauf, dass sich jemand nicht an die Spielregeln hält. Das sollte man natürlich bedenken steht für mich aber nicht im Vordergrund und ist auch für eben diesen Dienstleister überhaupt nicht wichtig. Denn wie du schon selbst herausgefunden hast, ist es den Betreibern der Plattform: Scheiß egal! Da können sich gefälligst die Kunden drum kümmern. Gerade deshalb würde ich der Plattform auch einiges an Erfolg in Aussicht stellen.
    Aber deine Einwände bezüglich der rechtlichen Seite würde ich eh mit einem Lächeln abtun. Da steht nun mal Daimler dahinter. Die Rechtsabteilung wird schon wissen was sie da an AGBs zusammengeschrieben haben.
    Es bleibt also nur noch dein Argument: Datenschutz.
    Vor 10 Jahren wären diese AGB und die ‚Datenschutz‘-Erklärung der Todesstoß gewesen. Heute wird das von den meisten Kunden mit einem Achselzucken abgetan. Dank Facebook, iOS und Android haben sich die Leute mit sowas abgefunden.
    Wo also ist das Problem, dass sich diese Idee wenigstens in einer Nische festsetzt? Es gibt genug Leute mit eigenem Auto, die es eilig haben und einen Parkplatz sicher haben wollen. Das Handy kann dann gleich die Route suchen und der Kopf muss nicht weiter benutzt werden. Das ist doch eh der Trend 😉

    • lennaron schreibt:

      Ja, das mit der Rechtsabteilung von Daimler hat mich auch verwirrt. Habe inzwischen aber das Loop-Hole gefunden:
      Unzulässiges Wettbewerbsgesetz
      § 7 Unzumutbare Belästigungen
      (3) Abweichend von Absatz 2 Nummer 3 ist eine unzumutbare Belästigung bei einer Werbung unter Verwendung elektronischer Post nicht anzunehmen, wenn
      1.
      ein Unternehmer im Zusammenhang mit dem Verkauf einer Ware oder Dienstleistung von dem Kunden dessen elektronische Postadresse erhalten hat,
      2.
      der Unternehmer die Adresse zur Direktwerbung für eigene ähnliche Waren oder Dienstleistungen verwendet,
      3.
      der Kunde der Verwendung nicht widersprochen hat und-
      4.
      der Kunde bei Erhebung der Adresse und bei jeder Verwendung klar und deutlich darauf hingewiesen wird, dass er der Verwendung jederzeit widersprechen kann, ohne dass hierfür andere als die Übermittlungskosten nach den Basistarifen entstehen.

      Und Punkt 4 steht wörtlich drin.
      http://www.gesetze-im-internet.de/uwg_2004/__7.html

    • lennaron schreibt:

      Aber nochmal zum Inhalt. Ich sehe das mit dem „Der Kunde hat das Problem“ kritischer. Stell dir vor, du buchst da dreimal einen Parkplatz und jedes Mal steht da einer für 40min Kippen holen, da bist du dann auch sehr schnell frustriert und wirst nicht nochmal diesen Dienst benutzen. In England un Amerika soll es das auch geben oder zumindest haben die das in der Vorlesung damals erzählt. Ein riesiger Erfolg scheint es aber nicht geworden zu sein.

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