Tag 11 – Indonesien erster Tag

Samstag morgen, Abfahrt 8:30 Uhr zum Flughafen. Der Terminal war relativ leer und so nutzten wir die Gelegenheit für ein Frühstück und bekamen ein überteuertes Milchbrötchen frisch aus der Mikrowelle mit Hähnchen und viel Majo. Dazu Kaffee und das war in dem Moment eigentlich viel wichtiger. Irgendwie wurden wir dann vom Final-Call überrascht und mussten rennen, um unseren Flieger zu bekommen. Der Flug war recht kurz, knapp eine Stunde Flugzeit und schon waren wir in Medan. Dann erst einmal die Einreiseformalität klären. Passkontrolle, Visa und 25$ „Eintrittsgeld“ und natürlich für jedes einzeln Schlange stehen. Als Europäer ist man da schon recht entwöhnt.

Danach zum Taxistand, ein Taxi finden, dass uns für einen fairen Preis zum Busbahnhof in der Innenstadt bringen würde. Vorgabe vom Lonely-Planet waren 40.000 Rupiah (~4,-€). Der erste Taxifahrer am Flughafen wollte 70.000, ein paar Meter weiter waren wir dann schon bei 50.000 angekommen. Trotzdem war es etwas schwierig einen Fahrer zu finden, der auch wirklich ein Taxi fuhr. Die private Beförderung von Personen ist in Indonesien unter Strafe gestellt. Nicht dass es irgendwen daran gehindert hätte, es uns anzubieten. Wir zogen es vor ein auszuwählen, der zumindest so aussah, als wäre es ein lizenziertes Taxi. Endpreis 50.000 Rupiah pro Person.

Nach einer Fahrt durch die wirklich nicht sehr reizende Stadt wurden wir an einer größeren Kreuzung ausgeladen. Nun bestand das Problem den Bus zu finden und gleichzeitig dem halben Dutzend Taxifahrern zu entkommen, die uns ihre Dienste anboten. Das Problem daran war, dass wir keine Ahnung hatten wie so ein „Public Bus“ eigentlich aussehen sollte. Es gab zwar einen Parkplatz mit Bussen die so aussahen, als ob sie für Überlandfahrten verwendet wurden, aber zu diesen gab es weder Haltestellen noch Fahrer. Dafür standen mehrere solcher Kleinbusse herum:Public Bus - Indonesian Style

Einer der Fahrer versprach uns dann auch für 20.000 Rupiah zu unserem Zielort Berastagi zu bringen und so quetschten wir uns in den Kleinbus und machten uns auf die 2,5 stündige Fahrt nach Berastagi zum Fuß der Vulkane. Es war eine recht anstrengende Fahrt. Einerseits weil es sehr eng und voll in dem Bus war, allein auf dem Beifahrersitz saßen drei Erwachsene, dazu noch einige auf dem „Gang“ und auf dem Dach saß jemand der auf das Gepäck aufpasste oder dafür sorgte, dass es nicht herunter viel. Dazu laute Bollywood ähnliche Musik aus einem gekonnt an die Kabinendecke montierten tragbaren DVD-Player. Da wir direkt hinterm Fahrer saßen hatten wir ein wenig mehr Beinfreiheit, aber auch den Nachteil, dass die Umsetzung des Getriebes scheinbar unter einer blanken Metallabdeckung vor uns aus dem Boden ragte und Temperaturen jenseits der 60° erreichte. Man musste sich also zwischen geschmolzenen Schuhsohlen, verbrannten Waden oder Thrombose entscheiden oder immer wieder wechseln.

Die Fahrt war recht eindrucksvoll und erfüllte alle Klischees die einer solchen Fahrt inne wohnen. Scharfe Kurven ohne Sicht, riskante Überholmanöver usw. Aber irgendwann waren wir dann auch am Ziel unserer Reise und es fiel nicht schwer unsere Herberge zu finden.

Berastagi - Guest HouseScheinbar lässt es sich in Indonesien von einem Eintrag im Lonely Planet recht gut leben, denn zumindest was das Dekor angeht, konnte sich dieses „Guest House“ mit einigen Hotels oder Pensionen messen die ich in Deutschland kennen lernen durfte. Lustigerweise waren die Zimmer etwas rustikaler gehalten, aber alles andere wäre vermutlich auch nicht mehr „true“ gewesen für echte Backpacker. Das meine ich jetzt nicht einmal negativ, aber wenn man sich die Bilder der Lobby und des Hauses anschaut, dann wirkt es doch etwas gestellt, dass man zwar Duschen auf dem Zimmer hatte, aber warmes Wasser gab es nur in einer Dusche auf dem Hinterhof gegen Bares. Vor allem in einer Gegend mit Vulkanen bin ich eher bereit an eine Wohlfühlkulisse für Backpacker zu glauben, als an eine Notwendigkeit, aber urteilt selbst:

Nach dem Einchecken ging es dann eine Runde durch die Stadt. Ein Städtchen um genau zu sein, mit sehr ärmlichen Häusern. Auf dem Markt im Zentrum herrschte geschäftiges Treiben. Viele kleine Marktstände die von Plastikspielzeug über frische Blumen bis zu lebenden Fischen in Mörtelwannen und einer Vielzahl von Gemüse und Gewürzen so ziemlich alles verkauften und jede Menge Kleinbusse un Großraumtaxen, die ankamen und abfuhren. Da das Frühstück schon einige Stunden her war, suchten wir uns auf dem Markt an einem Stand etwas zu essen. Da gerade Ramadan war und die Gegend überwiegend muslimisch geprägt ist, hatten wir Glück etwas zu bekommen. Der Laden war eigentlich nur eine kleine Wellblechhütte mit Plastestühlen, wie man sie vielleicht eher im Smallland bei IKEA erwarten würde, aber das Essen war gut und unsere Mägen haben es ohne Probleme vertragen.

Es war allerdings ein etwas merkwürdiges Gefühl, dass man von beinahe jedem auf der Straße erst einmal angestarrt wurde. Für einen weißen Europäer auch einmal eine Erfahrung, wobei man uns bis auf eine Ausnahme immer sehr freundlich begegnete.

Nach dem späten Mittagessen ging es noch einmal zurück ins Gästehaus. Aus unserer ursprünglichen Vulkantour für den nächsten Tag  wurde leider auf Grund des schlechten Wetters nichts und so beschlossen wir am nächsten morgen auszuschlafen und einen kleineren Vulkan ohne Guide zu besteigen.

Abends ging es dann noch einmal in die Stadt, nach Sonnenuntergang wurden überall an der Hauptstraße Hawker-Stalls geöffnet und die meisten Bewohner der Stadt trafen sich zum Fastenbrechen ein, sogar die örtlichen Punks. Es war interessant, bei der Zubereitung der verschiedenen Gerichte zuzuschauen. Auch wir holten uns noch einen kleinen Snack, da wir keinen wirklichen Hunger mehr hatten. Kartoffeln die zu einer Spirale geschnitten und auf Holzstäben frittiert oder gebraten wurden mit Curry oder Paprikapulver.

Danach gings wieder ins Gästehaus, auf ein Bier, ich glaube eins der insgesamt fünf oder weniger auf meiner gesamten Reise in Südostasien. Den Abend verbrachten wir mit Tagebuchschreiben und einer Unterhaltung mit einem Guide. Ein Einheimischer mitte Zwanzig, der uns von seinen Reisen nach Europa erzählte und der vermutlich mehr von Europa gesehen hatte als wir drei zusammen und sich mit Gelegenheitsjobs in Paris, London und anderen Großstädten über Wasser gehalten hatte und von Zeit zu Zeit für Backpacker in seiner Heimat als Guide arbeitete.

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3 Antworten zu Tag 11 – Indonesien erster Tag

  1. Muriel schreibt:

    Erinnert in Teilen an meine Bali-Reise. Das ist doch Indonesien, oder mache ich mich hier gerade völlig zum Seppl? Doch, muss. Wir haben da doch auch mir Rupiah bezahlt…
    Schöne Bilder jedenfalls.

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