Reisetagebuch – Singapur – Tag 10 – Zoo

Es gibt Sehenswürdigkeiten die gehören zum Besuch einer bestimmten Stadt zum Pflichtprogramm. Sei es nun die Golden Gate Bridge in San Francisco, das Brandenburger Tor und der Reichstag in Berlin oder der Zoo in Singapur. Die Singapurer Bevölkerung ist stolz auf ihren Zoo und das zu recht. Einziger Nachteil: Er liegt im ganz im Norden des Naturschutzgebietes, dass das Grüne Herz von Singapur darstellt.

Dieses mal schaffte ich es sogar etwas früher los zu fahren, wenn auch nicht sehr viel. Nachdem ich mich dann erst noch verlaufen habe fand ich auch den Busterminal. Wer erwartet als Mitteleuropäer auch schon einen unterirdischen Durchgang zwischen S-Bahn und Bus, wenn man auf Straßenhöhe aus der S-Bahn kommt. Natürlich jeder Singapuri, da ja sonst keine Klimaanlage auf dem Weg ist. Wenigstens konnte ich durch diesen unfreiwilligen Abstecher noch einen kleinen Vorrat an Wasser kaufen.

Der Busbahnhof selbst erinnerte mehr an einen Fernreisebahnhof, als eine normale Umsteigestation. Er ähnelte dem Busbahnhof in New York, von dem aus man zu den Shopping Malls nach New Jersey fährt. Leider kam der Bus auch nur alle halbe Stunde und so hieß es erst einmal warten. Lustigerweise traf ich dabei auf ein paar Deutsche und kam ein wenig ins Plaudern. Die Busfahrt dauerte dann ungefähr eine dreiviertel Stunde und wir mussten stehen. Inzwischen stand eine andere Gruppe Deutscher neben mir. Diese gehörte aber eher zu der Sorte, mit der ich mich nicht unterhalten wollte. Eltern zu Besuch beim Sohn in Singapur, deutsches Spießbürgertum in R(h)einkultur. Leider fiel meine Tarnung als unbestimmbarer europäischer Tourist irgendwann auf, als ich ein Telefonat auf Deutsch auf dem Handy führte. Wenigstens nahm dadurch das spießbürgerliche Gequatsche spürbar ab.

Die andere Gruppe Deutscher war aber auch nicht viel besser, da das was der eine Typ mit dem Hintern seiner Freundin anstellte schon fast unter das Sittengesetz fiel. Aber in Singapur sind die ja so liberal oder? Leider falsch! In Singapur sind  nicht nur der Playboy sondern auch die Cosmopolitan wegen ihrer Freizügigkeit verboten.

Aber davon abgesehen sind wir Deutschen ein weltoffenes und gebildetes Völkchen. Ich möchte außerdem betonen, dass keine Sachsen darunter waren! Andere sind genauso schlimm.

Irgendwann kamen wir aber im Zoo an und die Besuchermassen hielten sich in Grenzen. Unterwegs waren hauptsächlich Kindergruppen. Der Zoo ist von der Ausdehnung her über 26 Hektar groß. Als ich gerade noch einmal nachgeschaut habe, stellte ich fest, dass er damit viel kleiner ist als der Berliner Zoo (35 Hektar) und geradezu winzig im Vergleich zum Berliner Tierpark (160 Hektar) und ja dafür liebe ich Wikipedia!

Trotzdem ist der Singapurer Zoo von seiner Aufmachung her völlig anders. Man hat versucht den Urwald so gut wie möglich zu erhalten und an vielen Stellen vergisst man, dass es sich nicht um einen Zoo handelt. Zum Beispiel wenn man im Känguruh-Gehege steht und die Tiere nur durch ein Geläder von einem getrennt sind. Es gibt auch weniger Tiere, die dafür aber meist größere Gehege haben.

Was mir nicht so sehr gefallen hat, war die Tiershow. Man muss ihnen zumindest zugestehen, dass sie von der Aufmachung her ganz gut war und mit dem Titel „The Rainforest strikes back!“ und den Aufforderungen zum aktiven Umweltschutz sicher gute Absichten hat, aber Tiershows für sich finde ich immer etwas fragwürdig. Aber vermutlich sind sie auch nicht schlimmer als Zoos an sich und es ist irgendwo auch eine Form der Beschäftigungstherapie. Natürlich wurde auch das Publikum eingebunden und so durfte sich ein weißer Familienvater als Stammeskrieger aufführen, ein anderer in einem Wettschälen von Kokosnüssen gegen einen Urang Utan antreten und andere fanden neben ihrem Sitz einen Käfig mit einer Python (für die Kinder schien die Tarnung als Baumstumpf jedenfalls zu funktionieren).


Dazu gab es auch immer wieder Tafeln und Vitrinen mit Exponaten die Wissen vermitteln sollten, sowohl über die Lebensgewohnheiten von Tieren, als auch von indigenen Völkern. So gab es zum Beispiel eine nachgebaute Hüttensiedlung mit Werkzeugen und ähnlichem als Diorama für die Gehege der Nutztiere. Man merkte auf jeden Fall das einheitliche Konzept des Zoos, im Gegensatz zu dem geschichtlich gewachsenen Stückwerk der beiden Berliner Einrichtungen.

Neben kleinen Teilen von Urwald gab es auch einen Schmetterlingspfad, sowie eine Art Urwald-Garten in dem verschiedene Orchideen und Nutzpflanzen aus dem Urwald gezeigt wurden. Darunter Früchte wie Durians oder Kakao- und Bananenbäume.

Ein goßes Highlight in einem Zoo sind natürlich die Fütterungen. Das ist im Singapurer Zoo nicht anders. Doch nicht immer ist das eine Garantie dafür, die Tiere auch zu sehen. So weigerte sich beispielsweise ein südamerikanischer Riesenfisch (dessen Namen ich mal wusste) beharrlich sich in dem sumpfigen Wasser zu zeigen. Egal wie bemüht der Pfleger auch war in anzulocken. Was ich ebenfalls als etwas unschön empfand, war die Tatsache, dass die Fütterung der Urang Utans als Fotosession für Besucher gestaltet wurde. Bei sowas stellt sich mir dann immer die Frage, wer der höher entwickelte Primat auf dem Bild ist.

Die größte Attraktion im Singapurer Zoo sind aber mit Abstand die weißen Tiger. Ich glaube ich habe gut eine halbe Stunde vor dem Gehege gestanden und Fotos geschossen, was aber auf die Entfernung nicht so einfach war. Trotzdem sind einige Fotos ganz gut geworden.

Natürlich durfte eine Parkeisenbahn nicht fehlen, aber ich fand es anstrengender auf diese zu warten, als den Weg einfach zu laufen. Nur mit dem Boot fuhr ich dann auf der letzten Tour eine runde um den Zoo, da ich einerseits gespannt war, wie das ganze Gelände vom Wasser aussah und andererseits hatte ich ein Kombiticket bezahlt, wo die Benutzung der Parkeisenbahn und der Boote enthalten war.

Von außen wirkte das ganze Gelände wie dichter Urwald. Nur vereinzelt ragte das Dach eines Gebäudes aus dem dichten Blätterwerk empor und ich fühlte mich ein wenig an Jurasic Park erinnert (mal wieder).

Eigentlich hätte ich noch gut zwei Stunden länger bleiben können, aber ich musste zurück und außerdem war schon fast Schließzeit. Ich kann jedem Besucher empfehlen sich mindestens 5 Stunden Zeit und Proviant mitzunehmen. Es gibt sehr schöne und sehr gut gepflegte Picknickplätze, etwas abseits der Gehege.

Auf jeden Fall lohnte sich der Besuch, auch wenn der Eintritt mit über 20 S$ nicht gerade billig ist und die Anfahrt eine gefühlte Ewigkeit dauert. Allerdings ist die Rückfahrt bei weitem schlimmer, wenn man nach 5 Stunden herumlaufen auch noch eine dreiviertel Stunde in einem Bus steht. Der Zoo bietet auch eine NightSafari an, die ich mir aus Zeitgründen aber nicht während meines Aufenthalts angeschaut habe. Lohnen soll sie sich aber allemal.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Privat, Reisen abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s