Reisetagebuch – Singapur – Tag 9 – Chinatown

Wieder fing der Tag erst um 13 Uhr an. Naja mit Blogschreiben, sich über das Programm der Deutschen Welle aufregen und sich über die offensichtliche Propaganda auf RussiaToday amüsieren braucht halt seine Zeit.
Außerdem regnete es schon den ganzen Tag und da ist die Motivation das Haus zu verlassen nicht sondlicher hoch. Irgendwann beschloss ich dann aber doch in den Tag zu starten. Wie in den vergangenen Tagen mit einem Frühstück/Mittagessen im örtlichen Foodstall. Heute gab es Honey Char Siew Rice, so eine Art gegrilltes Schweinefleisch in Honig eingelegt mit Reis.

Irgendwann ließ auch der Regen nach und nach einer kurzen Fahrt mit der MRT kam ich dann an der Station Chinatown an. Von der MRT Station gelangte man auf einer kleinen Promenade über die Eu Tong Se Street/New Bridge Road (die Hauptstraße durch Chinatown), vorbei an einer kleinen Pagode über eine riesige Treppe zur Haupteinkaufsstraße von Chinatown. Die Treppe war von großen Sonnensegeln überdacht und erinnerte an den Clarke Quay. Der Unterschied ist jedoch, dass man hier keine Bürotürme aus Glas und Beton im Hintergrund hat, sondern riesige Wohnblöcke des sozialen Wohungsbaus. Diese wirken schon ein wenig bedrohlich, aber wenn man im Plattenbau groß geworden ist, findet man das eher faszinierend, wenn man plätzlich vor Wohnhäusern mit 30 Etagen steht, statt den üblichen 11 in Berlin.

Im Vergleich hierzu wirkte Little India doch recht entspannt. Es war gefühlt sehr viel voller und auch sehr viel hektischer. Dazu wirkt das ganze sehr stark auf Touristen getrimmt und so findet man hauptsächlich Souvenirläden und muss ständig aufpassen, um in der überfüllten Fußgängerzone keinen Touristen beim Fotostop über den Haufen zu rennen.
Da ich noch ein oder zwei Souvenirs brauchte, ging ich durch die Geschäfte und suchte etwas passendes. Dazu verglich ich die Preise, da es eigentlich in jedem Laden beinahe das gleiche Sortiment gab. Letztendlich bekam ich was ich gesucht hatte und handelte den Verkäufer noch ein paar $SIN herunter, vermutlich war es noch immer zu viel, aber wenigstens hatte ich einen kleinen Triumph.
Im Reiseführer wurden noch zwei Museen empfohlen. Das Museum für chinesische Kultur und das Münzmuseum. Zwar war der tag etwas verregnet aber ich hatte weder die Lust den Eintritt zu bezahlen noch die notwendige Zeit, da ich am Abend noch zum Essen verabredet war und der halbe Tag schon um war. Dafür gab es vor den beiden Museen ein paar schöne Exponate. Zum Beispiel eine klassische Rikscha, wie ich sie eigentlich nirgendwo in Südostasien in Aktion gesehen habe. In Singapur gab es so etwas eigentlich gar nicht und in Indonesien waren die Fahrräder inzwischen durch Motorräder ersetzt worden. Neben dem Münzmuseum gab es ein schönes Beispiel dafür wo der Begriff „steinreich“ herkommen könnte. Ich hatte von diesen Inselvölkern mit dem Steingeld gehört aber nicht gewusst, dass die Steine so groß sein können. Natürlich wurden diese Exemplare nicht zum Bezahlen verwendet, sondern waren eher Statussymbole. Herzlich lachen musste ich dann noch, als ich einen Blick in die Vitrine warf, in der verschiedene Sparbüchsen in Währungssymbolen ausgestellt waren. Den ersten Fehler sieht man vermutlich so, für den zweiten muss man das Bild vergrößern. (Auflösung folgt ganz unten 😉

Irgendwann wurde mir dann das Gewusel der Touristen zu nervig und ich schlug mich in die Seitenstraßen. Da es dort aber nicht so viel zu sehen gab, schlenderte ich weiter bis ich zu einem großen Einkaufszentrum kam. Der Aufbau war ungefähr der gleiche wie der Tekka Markt in Little India. Unten die FoodStalls und dann viel Klamotten und Krimskrams, nur weniger indische Kleider. Hunger hatte ich keinen und ich kannte das Sortiment, also machte ich ein paar Streifzüge durch das darüber liegende Parkhaus um ein paar Fotos zu schießen. Vom Parkhaus kam man über eine Verbindung auf die Gallerie des Nachbarhauses, an dem viel spannendere Läden waren. Ein Schild in englischer Sprache suchte man vergeblich und da ich kein Mandarin verstehe musste ich bei vielen Dingen raten. So gab es einige Läden mit antik wirkenden Figuren von Tieren, Buddhas und anderen Dingen, die man bei uns als Tand bezeichnen würde und die sich sicher gut in einigen teuren Innenausstatterläden machen würden. Ein anderer Laden verkaufte Klempnerzubehör. Vom Dichtungsring bis zum Durschkopf konnte man alles bekommen, man musste nur wissen wo man suchen muss. Das war gar nicht so einfach, da die Auslagen so eng hingen, dass man diese wie einen Vorhang beiseite schieben musste, wenn man in den Laden wollte. Innen schien es aber auch nicht viel mehr Platz zu geben. Leider habe ich davon kein Foto, denn irgendwie muss der Verkäufer mich bemerkt haben und kämpfte sich gerade durch seine Vorhänge von Stöpseln und Schläuchen, als ich die Kamera herausholen wollte. Ich mag es ja im allgemeinen nicht zu aufdringlich zu fotographieren und so kann ich davon leider nur erzählen. Unnötig zu erwähnen, dass es auch viele Läden mit Lebensmitteln in allen Formen und Farben gab, wie man es von asiatischen Läden überall auf der Welt kennt.

Ein weiteres kleines Highlight waren auch ein Aquariengeschäft, indem ich vieles wiederfand was ich erst vor ein paar Tagen selbst am Riff gesehen hatte und ein kleiner Kramladen, wo man von Räucherstäbchen über Buddhastatuen bis hin zu Mao-Bibel alles bekam, was das Herz begehrte. Egal ob nun Buddhist, Maoist, Kommunist oder Kapitalist, Singapur ist eine sehr tolerante Stadt was das betrifft. Als ich dann einmal das große Einkaufszentrum umrundet hatte, schaute ich mir noch die Auslagen in einem kleinen Laden am Eingang an. Ein altes Ehepaar zeigte mir viele Dinge, vor allem Brettspiele und schienen doch überrascht zu sein, als ich ihnen erzählte, dass ich Mahjong schon als Brettspiel gespielt habe und den Unterschied zwischen chinesischem und westlichem Schach kenne. Dafür erklärten sie mir wozu man die flachen Stücke aus Rinderhorn benutzt, die ich überall gesehen habe. Die Erklärung ist recht einfach. Man kratzt sich damit und wie mir Wikipedia verrät gibt es sogar einen Begriff dafür: Gua Sha

Danach kam ich an einem kleinen hinduistischen Tempel vorbei. Da der Tempel etwas kleiner war und damit auch nicht so viel Betrieb war, machte ich nach Rücksprache mit einem Mitarbeiter des Tempels ein paar Fotos vom Tempel selbst und vom Gottesdienst.

Beim Verlassen des Tempels stolperte ich fast schon in den Buddha-Zahn-Tempel, dem größten Heiligtum in Chinatown. Das Zahn kommt wirklich von Zähnen und ist ein Hinweis darauf, dass hier Reliquien von Buddha liegen unter anderem auch seine Zähne. Gut das mit dem Stolpern ist etwas übertrieben. Das vierstöckige rote Gebäude aus Holz und Lehm ist nur schwer zu übersehen, wenn man sich durch Chinatown bewegt, aber ich hatte es mir bis zum Ende meiner Erkundungen aufgespart.

Vor dem Eingang standen zwei eindrucksvolle Wächterfiguren aus Stein, mit Goldverzierungen. Der Legende nach hatte einer der Kaiser nachts furchtbare Albträume und so befahl er zwei mutigen Generälen seine Tür zu bewachen. Darauf hin verschwanden die Albträume und zur Sicherheit ließ der Kaiser Statuen aufstellen, um seinen Schlaf zu sichern. Diese Tradition wurde später im ganzen Land immer wieder aufgegriffen und so kommt es, dass man an chinesischen Gebäuden immer wieder zwei Wächterfiguren findet. (Da sage noch einer Reisen bildet nicht 😉

Im Untergeschoss gab es einen kleinen Innehof in dem eine große Menge an Räucherstäbchen verbrannt wurde und wo man angewiesen wurde, seine Kleidung entsprechend anzupassen. Eine Kleinigkeit vor allem von europäischen Touristen oft nicht sofort registriert wird und so toll Tanktops und Hotpants bei Frauen auch aussehen mögen, sind sie in Tempeln eher unerwünscht. Normalerweise glaubt man ja, dass es inzwischen auch zum letzten Touristen durchgedrungen ist, dass man sich vor dem Besuch eines Tempels entsprechend informiert, aber das ist wohl wirklicher Aberglaube.

Umso beeindruckender war dann die Haupthalle des Tempels. Eine überlebensgroße Buddhastatue flankiert von zwei weiteren unter einem Baldachin. Der ganze Raum in Rot und Gold gehalten und an den Wänden tausende kleiner Buddha-Figuren in den Wänden, gruppiert um größere. Später erfuhr ich, dass jede Darstellung von Buddha einem bestimmten Jahr zuzuordnen ist und die kleinen Buddhas sind eine Form der Spende. Man spendet einen gewissen Betrag und erwirbt somit den Platz für einen Miniaturbuddha den man dort aufstellt. Der Preis liegt glaube ich irgendwo bei 1000$SIN. Ebenso kann man goldene Münzen kaufen, auf die man seinen Namen schreibt und die man ebenfalls als Opfergabe bzw. Spende dort lässt und die Glück bringen sollen.

Die zweite Etage ist den Schriften Buddhas gewidmet und man bekommt eine Vielzahl an Literatur in allen möglichen Sprachen. Der dritte Stock widmet sich dem Leben Buddhas und seiner Reisen. Dazu werden Buddha-Statuen aus den verschiedensten Ländern gezeigt. Eine Sammlung von Exponaten die meinen Blogeintrag sprengen würden. Vielleicht finde ich nochmal die Zeit und veröffentliche eine Auswahl auf flickr.

Außerdem wurden hier die Reliquien ausgestellt und es herrschte Kameraverbot, was jetzt bei einem derartigen Heiligtum nicht sehr verwundert. Ich gebe zu, ich habe mich noch nie groß mit Reliquien beschäftigt (außer bei Age of Empires II) und weiß nur wenig darüber. Natürlich habe ich hin und wieder die Geschichten von den 1000 Nägeln vom Kreuz gehört oder den 500 Fingerknöcheln des Paulus, aber gesehen habe ich noch nie eine. Im Buddha-Zahn-Tempel hatte man die Reliquien aus ihrem wertvollen Gefäßen befreit und sichtbar ausgestellt. Es handelte sich um kleine Glaskugeln (etwa 1-2 mm Durchmesser) mit verschiedenfarbigen Inhalten die mit „Brain“, „Eye“, „Liver“, usw. beschriftet waren.

Im vierten Stock war ein Gebetsraum und als ich mir grade die Schuhe ausziehen wollte, hörte ich sie schon vom anderen Ende des Raumes reden und gackern. Deutsche? – Nein, viel schlimmer! Sachsen!
Bitte nicht falsch verstehen! Ich habe ja im Normalfall viel Sympathie für das Völkchen zwischen Erzgebirge und Elbe, aber im Urlaub sind sie eigentlich mit das schlimmste was einem passieren kann. Man stelle sich einfach folgende Situation vor. Ein buddhistischer Gebetsraum in einem Tempel in der Größe von etwa 200m². Eine Gruppe von 5 Leuten um die 50 steht da und redet so laut mit dem Mitarbeiter des Tempels, dass ich auf der anderen Seite des Raumes jedes Wort verstehe. Gut immerhin erfuhr ich dadurch, was es mit den Münzen und den unterschiedlichen Buddha-Figuren auf sich hatte. Ich will auch nicht sagen, dass alle Sachsen so sind aber es ist auffallend. Auch habe ich Bekannte, Freunde und Verwandte im Freistaat aber Sachsen stechen durch ihren Dialekt einfach aus der Masse der nervigen Deutschen noch einmal zusätzlich hervor. Egal ob nun in einem Tempel in Singapur, in einem englischen Pub an der schottischen Grenze (2004), im Hotel auf Mallorca (2006), beim Zelten in Ungarn (1996-1999)  oder in der S-Bahn/ im Regio vom Flughafen Schönefeld zum Alexanderplatz in Berlin (quasi jede Woche).

Auf dem Dach gab es noch einen kleinen Garten mit einer Pagode in der Mitte mit einer riesigen Gebetsmühle. Diese war wieder umringt von einer Vielzahl kleiner Buddhas. Damit auch wirklich jeder die Chance hatte eine Runde um die Gebetsmühle zu gehen und dabei zu beten, gab es sogar einen Treppenlift für die letzten Stufen. Ich kenne nicht einmal eine barrierefreie Kirche.

Danach verließ ich den Tempel, denn ich hatte noch eine Verabredung zum Abendessen …

(Auflösung Bildersuchrätsel: Dass der Euro falsch herum steht ist wohl offensichtlich, außerdem sind die Schilder für Pfund und Euro vertauscht.)

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