Reisetagebuch – Singapur – Tag 7 – Marina Bay Sands

Wieder so ein Tag, an dem man einfach nicht in die Gänge kommt. Nachdem ich mit Blog schreiben, Fernsehen und ausschlafen fertig war, zeigte die Uhr bereits 13 Uhr an. Also wurde aus dem Frühstück ein sehr spätes Mittagessen. Dafür gab es auch nur Prata in Fatimas Prata Stall. Der Verkäufer hatte mich bereits als Deutschen identifiziert und wusste, dass ich häufiger dort mein Essen holte. Man fällt halt auf und das nicht zuletzt weil man mit 180 Zentimetern größer ist als die meisten Einwohner von Singapur.

Als Drink für Unterwegs gab es Guavesaft. Extrem süß aber auch irgendwie lecker und besser als der Chrysanthemen-Icetea vom Vortag.

Eigentlich wollte ich bis Marina Bay Sands mit der Circle Line durchfahren, aber irgendwie kam kein Zug der dorthin fuhr und so beschloss ich Promenade auszusteigen und zu laufen. An der Oberfläche erst einmal Baustellen und Hauptstraßen und mir war nicht so recht klar, wo ich lang musste. Also erst einmal auf einen Übergang geklettert, für etwas mehr Übersicht. Es stellte sich heraus, dass ich auf dem Millenia-Walk gelandet war. Auf dem Weg zurück zur Straße, kam ich an einem Statuen-Garten vorbei. Den Namen des Künstlers hatte ich schonmal irgendwo gehört, also beschloss ich ein paar Fotos zu schießen. Es dauerte keine drei Minuten und schon am ein Security und erklärte mir, dass ich keine Fotos machen dürfe. Ich hatte zwar nirgendwo ein Schild gesehen, aber ich fügt mich und außerdem wirkte ich mich bei all den Menschen in Anzügen und Kostümen um mich herum, reichlich underdressed. Im Nachhinein betrachtet könnte es auch einfach an der Tatsache liegen, dass dort die Libanesische und die Tschechische Botschaft ihren Sitz haben und ich vielleicht schon in einem Innenhof oder etwas derartigem war.

Über die Temasek Avenue machte ich dann einen kleinen Abstecher zum Singapore Highflyer, dem örtlichen Äquivalent zum London Eye. Allerdings waren die Preise ähnlich und für 30$SIN wollte ich keine Runde mit einem Riesenrad fahren und so lief ich unter der Autobahn Richtung Esplanades zum Olympic Youth Park. Auf der anderen Seite des Flusses konnte ich in der Ferne den Flower Dome und die pflanzenförmigen Türme von Gardens by the Bay bewundern.

Durch ein Labyrinth aus Brücken gelangte ich schließlich in den Olympic Youth Park, eine kleine Grünanlage hinter der Marina Bay Multi Purpose Facility, einer Bühne wo Konzerte und andere Veranstaltungen, sowie große Lasershows stattfinden. Über The Helix, eine futuristische Brückenkonstruktion, die sich ihren Namen verdient hat, ging es weiter zum Fuß des Marina Bay Sands und dem Artscience Museum in Form einer Tulpe oder auch Hand, das im Moment sowohl eine Ausstellung über Andy Warhole als auch eine über Harry Potter Filmrequisiten beherrbergt.

Leider wurde das Wetter zusehends schlechter und zwischenzeitlich fing es auch ein paar mal an zu regnen. Also machte ich einmal einen Abstecher in die Marina Bay Sands Mall. Allerdings halte ich es in Malls nicht sonderlich lange aus. Insbesondere wenn ich eine gute Kamera und so viele Motive wie Downtown Singapur vor mir habe. Aber immerhin stieß ich so auf einen Formel 1-Shop in dem ein Ferrari ausgestellt war. Die Formel 1 ist nicht nur ein wichtiger Wirtschafsfaktor in der Stadt. Der große Preis von Singapur hat auch viele Fans und ich war auch schon häufiger an Stellen vorbei gekommen, die aussahen wie Ampelanlagen für Autorennen.

Vor dem Eingang zur Mall stand eine von mehreren Pledge’s. Große Spruchtafeln mit Parolen die das friedliche Zusammenleben der Stadt befördern sollen. Ein schönes Beispiel wie moderne SocialMedia-Kampagnen aussehen können. Nicht nur, dass ein digitaler Zähler die realen „Likes“ zählte, es gab auch gleich den richtigen Twitter-Hashtag #pledgeSG dazu. Dagegen wirkt ein gewisses #beBerlin eher lahm.

#pledgeSG

Ein einer der beiden Crystal Pavillions hat der Designer Louis Vuitton eine schwimmende Boutique. Ich überlegt kurz ob ich mal einen Blick hinein werfe, allerdings konnte ich mich für Handtaschen noch nie begeistern. Außerdem glaube ich nicht, dass mich der Portier in meinem Autfit, bestehend aus kurzen Hosen, löchrigen Chucks, einem kurzen Leinenhemd und einem Strohhut, dazu eine große Umhängetasche und eine Kamera mit 23x-Objektiv über der Schulter, hereingelassen hätte.

Also ging es weiter auf dem Olympic Walk. Hier wurde Wasserdampf aus Rohrleitungen versprüht, was einen gewissen Erfrischungseffekt bewirken sollte. Zumindest vermute ich das. Allerdings fand ich die Idee bei einem Klima, das von einer Luftfeuchtigkeit über 60% dominiert wird, eher merkwürdig. Ein Bisschen kühler wurde es aber schon.

Auf dem Freigelände zwischen Mall und City Gallery war gerade das FoodFestival. Ein riesiges Zelt in dem an einer Vielzahl kleiner Stände die verschiedensten Speisen zubereitet wurden. Es unterschied sich meiner Meinung nach nicht sehr weit von dem normalen Angebot eines größeren Foodstalls. Der größte Vorteil war, dass man hier den Köchen über die Schulter schauen konnte, wie sie Garnelenspieße, Fische, Reispfannen, Sushi und viele andere asiatische Köstlichkeiten zubereiteten. An jedem Stand gab es ein kleines Depot von Eiern, so etwa 5 Paletten. An einem Stand hingen in einem Glaskasten Gänse die vollständig mariniert waren, ich nehme an Peking-Ente oder etwas in der Richtung. Europäische Speisen gab es kaum. Ich glaube ein paar Stände gesehen zu haben, an denen so etwas wie Burger gebraten wurden, aber sicher bin ich mir nicht. Als einziges Highlight ist mir der Stand mit dem türkischen Kebap aufgefallen. Recht ungewohnt einen großen Fleischspieß mit Lammfleisch in einem Land zu sehen, wo man sich hauptsächlich von Eiern, Nudeln und Reis ernährt. Da das Zelt relativ leer war und ich mich von allen Seiten beobachtet fühlte, was wohl nicht zuletzt an der großen Kamera lag, mit der ich versuchte die Stände zu fotografieren, ohne dass es zu sehr auffiel, verließ ich das FoodFestival ohne einen Bissen probiert zu haben. So richtig hungrig war ich auch nicht, hatte ich doch erst vor wenigen Stunden ein eher deftiges Frühstück zu mir genommen.

Weiter ging es vorbei an der City Gallery. Hier wurde ich Zeuge eines faszinierenden Schauspiels. Die Betreuer einer  chinesischen Kindergruppe (zumindest vermute ich, das) machten gerade ein Gruppenfoto von ihren Schützlingen. Dazu hatten sich die Kinder in mehreren Reihen vor dem Gebäude aufgestellt und die Betreuer fotografierten.
Das wäre insofern noch nichts besonderes, wären nicht die ca. 15 Kameras auf dem Boden vor ihnen gewesen, von denen sie sich eine nach dem anderen griffen und damit ein paar Fotos machten. Ich würde sagen es ist keine Übertreibung, wenn ich halb so viele Kameras wie Kinder schätzen würde. Da wird Fotographieren zum Leistungssport.

Chinesische Reisegruppen sind übrigens keine Seltenheit. Gerade an Sehenswürdigkeiten wie dem Marina Bay Sands oder dem Colonial District gibt es eine Vielzahl chinesischer Touristen und Reisegruppen. Darunter sind auch viele Jugendgruppen, die man ihren einheitlichen T-Shirts erkennen kann. Ich nehme mal an, dass es in China ähnliche Gewohnheiten gibt, was Klassen- und Abschlussfahrten betrifft wie bei uns. Vor dem Artscience-Museum hatte an dem Tag sogar eine Gruppe eine Art Wettbewerb gestartet mit irgendwelchen Backzutaten. Es sah aus als würden sie in einem Wettstreit Teig kneten. Richtig schlau geworden bin ich daraus aber nicht. Auf jeden Fall war es sehr laut und hecktisch.

Dann war ich auch schon einmal um die halbe Marina Bay herum und an The Promontory @ Marina Bay. Eine etwas futuristisch anmutende Alle im Schatten der Wolkenkratzer von Downtown Singapur. Futuristisch deshalb, weil man hier einige Sonnendächer aufgestellt hatte. Das besondere an ihnen war aber, dass sich auf ihrer Oberseite Solarpanele befanden und unter dem Dach zwei riesige Ventilatoren (etwa 15m im Durchmesser) die damit angetrieben wurden. Leider war es an dem Tag sehr verregnet und es bewegte sich nichts. Das störte aber auch nicht weiter, schließlich war der Wind stark genug, dass eine Vielzahl von Seglern ihr Glück auf der Marina Bay suchten und von einer Seite der Bucht zur anderen fuhren. Natürlich konnte ich mir ein Bild mit Segelboten vor dem Hochhaus The Sail (Das Segel) nicht verkneifen.

Als ich meinen Weg fortsetzen wollte, kam plötzlich ein merkwürdiger Typ auf mich zu und sprach mich an. In meiner Berliner Art wollte ich ihn erst abschütteln, entschied mich dann aber dagegen, da meine Neugier die Oberhand gewann. Erstmal fing er an mich mit irgendwelchen Komplimenten einzudecken, von wegen ich würde ausehen wie ein Mensch der vom Schicksal begünstigt sei und so weiter und so fort. Ich nickte höflich und achtete auf meine Brieftasche.
Er erzählte mir er sei ein Yogi und so weiter und er wolle mir die Zukunft vorhersagen und ließ sich davon auch nicht abbringen. Also führte er einen kleinen Taschenspielertrick vor, der mir irgendwie bekannt vor kam. Es ging irgendwie um Blumen und Farben und es wäre untertrieben wenn ich sage, er versuchte mich in eine gewisse Richtung zu schieben. Jedenfalls entblätterte er dann ein Papierkügelchen, das er mir vorher gegeben hatte und Überraschung! Es war das was ich gesagt hatte.
Für dieses Kunsstück wollte er dann 20$SIN für die Armen von mir haben. Ich bot ihm 2$SIN an unter der Bedingung, dass er mir einen 10$SIN-Schein wechseln würde, da ich keinen halben mehr als Münzen bei mir hatte. Darauf wollte er sich dann nicht einlassen und wirkte sehr verärgert oder enttäuscht, allerdings sehr gefasst. Nach einer kleinen Debatte wie das bei sowas üblich ist, zwang ich ihm dann noch ein Händeschütteln auf, als kleine Revanche für die seinige als er mich zuerst ansprach und verabschiedete mich mit netten Worten von ihm.

Vermutlich wird das mein Karma noch eine ganze Weile verdunkeln aber damit kann ich im allgemeinen gut umgehen. Andernfalls hätte ich mich als Berlin wohl schon längst an der nächsten Laterne neben dem Stand von Miserior, Amnesty oder den Zeugen Jehovas aufgehängt.

Danach irrte ich ein wenig durch die Häuserschluchten von Downtown und schlug mich dann hinter dem Fullerton Hotel zum Standort des Merlion durch. Unterwegs begegnete mir ein alter Bekannter. Ein großer bronzener Stier etwas kleiner als der berühmte Stier an der Wallstreet in New York (von dem die SD-Karte die Bilder vom letzten Jahr mit in den Tod riss). Gesponsert von Merrill Lynch einer der berüchtigsten Heuschrecken auf dem Finanzmarkt. Direkt daneben das nobelste Hotel der Stadt, dass sich auf mehrere Gebäude erstreckt und in dem vermutlich die Cockroaches (Kakerlaken) mit Krawatten herumlaufen. Da wächst zusammen was zusammen gehört.

Hinter dem One Fullerton dann das Wahrzeichen der Stadt. Der Merlion, halb Löwe halb Fisch und leider vollständig verpackt, da er gerade für den Nationalfeiertag restauriert wurde. Für die Kinder gab es ein wirklich niedliches Plakat auf dem andere Tiere aus dem Zoo darauf hinwiesen, dass der Merlion gerade Urlaub mache, aber zum Nationalfeiertag zurück kommt und die Kinder dies ebenfalls tun sollen. Niedlich und ein Bisschen gruselig.
Da der Merlion mit dem Gesicht zum Marina Bay Sands steht, gibt es noch eine Miniaturversion auf dem Platz hinter ihm, damit die Touristen sich mit ihm fotographieren können.

Als ich dann einmal um die Bay herum war, suchte ich noch ein paar Stellen vom Vortag auf, die ich übersehen hatte. So zum Beispiel die Bronze Statue mit den spielenden Kindern im Hafenbecken oder das alte Parlamentsgebäude. Letzteres hatte ich einfach nur übersehen, da es eine halbe Baustelle ist und etwas versteckt hinter dem asiatischen Völkerkundemuseum  und einigen Restaurants am Landungsplatz von Sir Raffles liegt.

Dieses mal führte mich meine Runde etwas weiter. Vorbei an den Riverside Appartements bis hin zum Clarke Quay, dem berühmtesten Partyquartier der Stadt. Vor einigen Jahren aufwendig restauriert, lockt er mit knalligen Farben und großen Sonnensegeln zum Flanieren ein. Auf der anderen Seite befindet sich das Riverside Point. Große ehemalige Lagerhäuser, die neben den vielen Waren die im Hafen von Singapur umgeschlagen wurden, auch die berüchtigten Opiumhöhlen, Bordelle und anderen veruchten Plätze beherrbergte die man aus Geschichten von über Piraten und Singapur kennt. Und ja es gibt auch eine Anspielung in Fluch der Karibik (I), bevor wieder jemand mit mir streitet. Heute finden sich dort Boutiquen, Bars und Restaurants, auch wenn es von außen noch immer einen gewissen Charme hat. Insbesondere bei Nacht, aber dazu komme ich noch an einem anderen Tag.

Dann war es auch schon an der Zeit für den Heimweg, das heißt nachdem ich die MRT Station am Clarke Quay gefunden hatte. Unterwegs besorgte ich mich noch 5 Liter Wasser (die für zwei Personen durchaus normale, tägliche Ration bei dem Klima) und ein Bisschen was zum Knabbern. Ich muss gestehen sowohl Oreo-Kekse als auch Wasabi-Erbsen gehören zu den zwei Sachen die ich im Ausland total gerne esse, wo ich aber in Deutschland zu faul bin sie im Laden zu suchen. Zum Ebendessen gab es dann noch einen Soya Bean Curd (Pudding aus Sojabohnen) mit Mangogeschmack. Die Konsistenz erinnert ein wenig an Wackelpudding, es schmeckt aber gar nicht so schlecht. Abends habe ich dann noch Eintragungen im Blog geschrieben und gegen 1 Uhr war dann glaube ich Schluss und die Wasabi-Erbsen schon wieder leer.

 

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Privat, Reisen abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s