Reisetagebuch – Singapur – Tag 8 – Little India

Der Tag begann etwas überraschend mit einem Arztbesuch und nachdem sich ein Singapurer Arzt über das großzügige Budget einer deutschen Krankenversicherung freuen konnte, ging es zum Frühstück an einem kleinen Bäcker an der MRT Paya Lebar. Für mich gab es eine Art Milchbrötchen, gefüllt mit Thunfisch.

Da ich weder Reiseführer noch den anderen Kleinkram dabei hatte, bin ich anschließend erst einmal zurück ins Condo. Dort erst einmal eine Wäsche angeschmissen und schnell Emails gecheckt und schon war es um zwei, als ich wieder los wollte.

Auf dem Plan stand für diesen Tag „Little India“. Meine Idee war es, bis zur Endstation mit der MRT Circle Line in die Stadt zu fahren und dann ein oder zwei Stationen zu laufen. Als ich allerdings Orchard Road ankam, stellte ich fest, dass dies gar nicht so einfach war. Die Richtung in die ich hätte gehen müssen war durch Baustellen, Einkaufszentren und Privatstraßen derartig abgeschnitten, dass ich mich nach einer guten Stunde im Kreis laufen für die Weiterfahrt mit der MRT entschied.

Kurz darauf kam ich dann auch wirklich in Little India an und es war wirklich, wie eine völlig andere Stadt. Keine hohen Glas- und Betonfassaden mit breiten Straßen, sondern kleine Gebäude mit bunten Fassaden und überall waren Geländer an den Straßen aufgestellt. Nur im Hinergrund dominierte das ein oder andere riesige Wohnhaus.

Da ich seit meinem merkwürdigen Frühstück nichts gegessen hatte, beschloss ich mir etwas in den Foodstalls im Tekka Markt zu suchen. Der Tekka Markt ist ein riesiges Einkaufszentrum in der Buffalo Road in dem man indische Kleidung, Blumen und andere Dinge kaufen kann. Zum Mittagessen gab es Tandori Chicken und ich hatte auf Grund der Größe des Menüs und dem bezahlten Preis von 5$SIN das dezente Gefühl, ein wenig über den Tisch gezogen worden zu sein. Dafür war der frisch gepresste Zuckerrohrsaft sehr erfrischend und durchaus zu empfehlen.

Danach schlenderte ich ein wenig durch den Markt und schaute mir die Vielzahl von indischen Kleidern an, die in all ihrer Farbenpracht einen Großteil der obersten Etage ausmachten und für Preise von 25$SIN aufwärts gar nicht so teuer sind.
Das Angebot für Männer beschränkte sich vor allem auf Hemden und T-Shirts, wie man sie auf beinahe jedem Marktstand bekommt.

Anschließend schlenderte ich durch die vielen Straßenläden und kaufte noch ein Bisschen Kleinkram in einem 99Cent-Laden, einiges davon konnte ich sogar wirklich im Verlauf der Reise gebrauchen. Unterwegs stieß ich auf ein hübsch restauriertes Haus, das einmal einem chinesischem Händler gehört hatte. Das war so farbenfroh, dass es selbst in Little India ein Hingucker ist.

Auf der Suche nach einem Ort, an dem man entspannt einen Kaffee trinken konnte irrte ich dann noch eine Weile durch die Gegend, fand aber nichts was meinen Vorstellungen entprach. Entweder war es mir zu sehr auf Touristen getrimmt oder es war in irgendwelchen Räumen und dann total übefüllt. So hatte ich aber Gelegenheit mal ein paar Queerstraßen zu entdecken, die abseits der Hauptstraße lagen und schon fast menschenleer waren. Trotzdem wirkten sie nicht zu heruntergekommen, auch wenn sie mit den aufpolierten Fassaden an der Hauptstraße nicht mithalten konnten. Aber wenn ich mich an die Seitenstraßen in New York erinnere, insbesondere in Queens, dann war es hier viel sauberer und ordentlicher.

Irgendwann führte mich mein Weg dann zu einer Mall, um genau zu sein der Square Mall. Diese war so neu, dass sie nicht einmal in meinem Reiseführer auftauchte und soll so eine Art Modell für Umweltschutz sein. Einerseits ist sie von einem Park umgeben und soll der Stadt etwas Natur zurück geben und andererseits ist alles nach modernen Richtlinien für Energie- und Wassersparen ausgelegt. Dort trank ich dann erst einmal einen Milchtee. Anschließend besorgte ich mir Wasser aus Flaschen und beschloss mich der anderen großen Sehenswürdigkeit zu widmen. Der Religion.

Hinduistische Tempel sind eine ganz eigene Erscheinung. Umgeben von hohen Mauern mit einem kleinen Eingangsbereich, erkennt man sie von Außen nur an den imposanten Dächern der Tempel. Diese werden mit einer Vielzahl von Gottheiten aus dem indischen Pantheon verziert, welche sehr aufwendig dargestellt werden. Ich hatte es so geplant, dass ich zum Gottesdienst am Sri Veeramakaliamman Tempel ankommen würde. Auf meiner Suche nach einem Kaffee war ich bereits einmal am Tempel vorbei gekommen und hatte ihn von innen erkundet, so dass ich mich nun in eine Ecke setzen und den Gottesdienst beobachten konnte.

Ein Hinduistischer Tempel besteht aus einem Hauptheiligtum und einigen Schreinen an der Seite. Meist ist das ganze von einem Innenhof umgeben auf dem die Gläubigen zum Gottesdienst ein günstiges Essen und Getränke bekommen. Beim Betreten des Tempels zieht man die Schuhe aus und wäscht sich die Füße.Für das Betreten des Tempels gibt es verschiedene Möglichkeiten. Von der normalen Namaste (Handgeste) bis hin zu Gläubigen die sich auf den Boden legen oder mit Asche von der Türschwelle ein Zeichen auf die Stirn malen.

Dann kann man nach einer Mahlzeit ein Opfer für die verschiedenen Götter bringen. Meist in Form von gekochten Bananen, anderen Lebensmitteln oder Öllampen. Ich muss gestehen, dass mein Wissen über den Hinduistischen Pantheon begrenzt ist und außer Ganesha erkenne ich eigentlich keine Gottheit bzw. kann sie von anderen unterscheiden. Aber ich kann auch in einer katholischen Kirche den Judas nicht von Paulus unterscheiden und würde Jesus vermutlich auch nicht erkennen, wenn er nicht am Kreuz hängen würde oder beim Abendmal in der Mitte sitzt.

Der ganze Gottesdienst wird untermalt mit indischer Musik und der Tempel wird mit diversen Lichtschläuchen und Lampen in ein buntes und blinkendes Spektakel verwandelt. Außerdem werden die Figuren der Götter mit Blumen und Kränzen geschmückt und die Gläubigen sind beinahe immer in Bewegung und umrunden die einzelnen Schreine. Dazu singen die Mönche des Tempels religiöse Verse. Für das westliche Auge mag das alles etwas kitschig und hektisch wirken, aber wenn man sich einfach nur dazu setzt und das ganze eine halbe Stunde auf sich einwirken lässt, ist es doch sehr beeindruckend. Am Ende hat mich das alles so beeindruckt, dass ich mich nicht einmal getraut habe Fotos zu machen. Ein paar Bilder habe ich dann von der anderen Straßenseite aus gemacht, damit man einen ungefähren Eindruck davon bekommen kann.

Als ich den Gottesdienst verließ war es schon nach acht und ich kam auf dem Weg zur MRT an einer Moschee vorbei aus der gerade die Gläubigen strömten. In diesem Moment fiel mir der starke Kontrast zum Islam besonders auf. Alles wirkte viel schlichter, einfarbiger und sehr viel mehr von Männern dominiert. Eben eine ganz andere Welt und das ganze nur zwei Blocks von einander entfernt. Auf dem Weg zur MRT kaufte ich noch ein paar Souvenirs für die Familie.

Kurz vor der MRT-Station kam ich noch an einer Baustelle vorbei, die mit Hilfe von ein paar Dutzend Flutscheinwerfern hell erleuchtet war. Anscheinend wurde hier auch nachts gearbeitet. Ich überlegte wie unvorstellbar das in Berlin wäre und ob dadurch die Baustellen eher fertig würden. Mit diesen Gedanken im Kopf stieg ich Farrer Park gleich neben der Mall die noch nicht im Reiseführer stand in die MRT und machte mich auf den Heimweg.

Zu Hause gab es dann am heimischen Foodstall Wotan Nudeln und Red Dragonfruit Saft, sowie Sojakeimlinge und Limettensaft. Abends noch ein Bisschen Blog geschrieben und den Tag relativ früh beendet.

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