Reisetagebuch – Singapur – Tag 6 – Singapur Colonial District

Zurück aus Tioman begann nun der erste Tag, den ich ausführlich für Erkundungen der Stadt nutzen konnte. Als erstes führte mich mein Weg zum heimischen Foodstall. Leider weiß ich nicht mehr was ich zu Essen hatte, aber auf jeden Fall hatte ich Chrysanthemen-Eistee. Es schmeckt gar nicht so schlecht und vielleicht eröffnet sich hier eine interessante Recycling-Möglichkeit für Omas Schnittblumen?

Dann ging es weiter zur MRT-Station Mountbatten, die mir in meiner Zeit in Singapur als Sprungbrett zum öffentlichen Nahverkehr dienen sollte.  Es gibt in Singapur auch Busse, aber diese sind etwas schwierig in der Benutzung. So gibt es zwar Haltestellen und Fahrpläne, jedoch werden diese im Bus nicht angezeigt. Die einzige Orientierungshilfe ist das winzige Display der Kontrollautomat für die Fahrkarten. Dort kann man die bisher auf der Strecke gefahrenen Kilometer ablesen, aber auch nur in der Nähe einer Haltestelle. Man muss sich also einerseits merken, wie viele Kilometer man fahren möchte und dies dann mit der Kilometerangabe beim Einsteigen addieren. Auch ein interessanter Weg um Kopfrechnen zu üben. Leider fiel mir dies erst am Ende der Woche auf. Bis dahin war Bus fahren für mich Voodoo und ich versuchte es nach Möglichkeit zu vermeiden.

Mit Umsteigen in Paya Lebar, wo ich mir einen Stadtplan besorgte, fuhr ich auf gut Glück zur Station City Hall, da mir das am sinnvollsten erschien. Als ich den Weg aus der MRT-Station und der dazugehörigen „City Hall“-Mall gefunden hatte und an der Oberfläche angekommen war, musste ich erst einmal den Blick auf mich wirken lassen.

Zu meiner Linken begrüßte mich das Marina Bay Sands mit seinen drei Türmen und dem leicht geschwungenen Schiff das über diesen prangte. Direkt vor mit lag der Financial District, quasi das Manhatten von Singapur oder das hiesige La Defense, wenn man es mit Paris vergleichen würde. Eine große Ansammlung von Wolkenkratzern, die sich hinter der Marina Bay erstrecken. Hinter mir gleich neben der Mall erhob sich das Swisshotel mit seinen über 70 Stockwerken in die Höhe und vor mir lagen auf der rechten Seite die St. Andrew’s Cathedral an der auf Plakaten für einen Wunderheiler geworben wurde und auf der linken The Padang eine riesige Rasenfläche mit Fußballtoren an einer Seite, das gerade fleißig bewässert wurde und an derem Ende sich der altehrwürdige Cricket Club von Singapur befindet.

Hinter den Bäumen von The Padang konnte man das Dach der Esplanade einem weiteren Wahrzeichen der Stadt sehen. Diese Kombination aus Theater und Konzerthalle hat nicht ohne Grund den Spitznamen „Durian“. Durians oder auch Jackfruits (wie es eher die Australier nennen) sind eine Frucht, die in Asien als Delikatesse gelten und die Eigenschaft besitzen einen extremen Gestank zu verbreiten. Daher sind sie normalerweise in Behörden oder Verkehrsmitteln verboten und man kann auf einem Markt einen Durianstand bereits aus größerer Entfernung wahrnehmen. Von der Oberfläche sehen sie in etwa so stachelig aus wie Litschis, sind aber größer und grün.

Nachdem ich die ersten Eindrücke hatte sacken lassen, ging es mit der Kamera bewaffnet die St. Andrew’s Road in Richtung „Altstadt“. Auf halber Strecke sprach mich ein älterer Mann an und verwickelte mich in ein Gespräch. Er wollte wissen wo ich herkomme, gab mir Tipps für eine Stadtbesichtigung und erzählte mir dann, dass seine Tochter einen Deutschen geheiratet und nach Stuttgart gezogen ist. Solche Dinge passierten mir in meiner Zeit in Singapur häufiger. Dabei wirkte er nicht unbedingt aufdringlich sondern höflich und neugierig. Allerdings war ich im ersten Moment schon etwas überrumpelt.

Weiter ging es zum Cricket Club, an dem noch ein letzter Rest von Kolonialzeit spürbar war und vor dem so manche Luxuskarosse geparkt war. Danach ging es vorbei am Victoria Theatre, was im Moment umgebaut wurde und von dem nur noch die Außenfasade steht, so dass man durch das Haus hindurchschauen kann, zum Dallhousie Monument das von reichen Bürgern der Stadt gestiftet wurde.

Dann wendete ich mich ein Stück nach Osten und hatte einen tollen Blick auf das Fullerton Hotel, einem der edelsten Hotels in Singapur und gleichzeitig eins der traditionsreichsten. Von dort aus immer am Singapur River, vorbei am asiatischen Völkerkundemuseum.  Vor dem Museeum schienen einige Chinesen fasziniert davon zu sein, dass ein Weißer Fotos von einer Büste von Ho Chi Minh macht, aber immerhin habe ich mal in einer Straße gewohnt, die seinen Namen trug. Anschließend ging es zum Landungsplatz von Sir Stanford Raffles, dem an dieser Stelle ein marmornes Denkmal gesetzt wurde. Dazwischen immer wieder Bronzefiguren die Szenen aus dem Leben in Singapur aus der Kolonialzeit darstellten, ob spielende Kinder oder chinesische Reishändler.

Bis heute verwirrt mich das alte Parlamentsgebäude. Ursprünglich dachte ich, es würde sich um zwei Gebäude handeln, aber anscheinend sieht nur die Rückseite völlig anders aus als die Front. Die Rückseite erinnert mehr an ein englisches Herrenhaus und die Vorderseite an eine militärische Bunkeranlage in einem tropischen autoritären Staat in einem schlechten Computerspiel. Faszienierend ist auch das Arts House hinter dem alten Parlament. Meist sieht man nur die runde Kuppel und man hat das Gefühl ein UFO wäre mitten in der Stadt gelandet.

Anschließend machte ich noch einen kleinen Abstecher auf den Boat Quay, auf dieser Touristenmeile war aber an einem Montag Vormittag nicht viel los. Hier reihen sich noble Restaurants mit Seafood und westlichen Küchen aneinander und da gerade nicht viel Betrieb herrschte, wurde ich ständig von Kellnern angesprochen. Eine Sache, die mich an Touristenorten immer besonders nervt und eher davon abhält in ein Restaurant zu gehen. Dafür konnte man jede Menge lebender Tiere in den Aquarien vor den Restaurants bewundern und abends soll es dort auch neben Bars auch einige beliebte Clubs geben.

Da es anfing zu regnen, beschloss ich erst einmal in eine Mall oder ähnliches zu gehen und verzichtete, nachdem ich das MICA Building passiert hatte, auf einem Spaziergang im Fort Canning Park und ging gegenüber der architektonisch sehr hübschen Hauptfeuerwehr in die Funan Digital Live Mall. Diese hat hauptsächlich Elektronikläden, wie man sich bei dem Namen denken kann. Ich brauchte aber noch ein paar Ersatzpatronen für meinen Füller, da ich meine Erlebnisse immer handschriftlich festhalte, bevor ich sie blogge und so suchte ich in einem Mall für das digitale Leben nach Ersatzpatronen für einen Tintenfüller von Parker und siehe an, in einem Schreibwarenladen wurde ich fündig. Sie erkannten mein Schreibgerät schon anhand des Designs.

Da der Tag sich schon dem Ende näherte und ich noch eine Verabredung hatte, beschloss ich meine Erkundungstour für diesen Tag zu beenden und am nächsten Tag mit der Westseite von Padang und Marina Bay Sands weiter zu machen.

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