Reisetagebuch – Singapur – Tag 1

Heute habe ich also damit begonnen meine CO2-Bilanz für die nächsten drei Jahre mal so richtig zu versauen und nach Singapur zu fliegen.

Nach einer sehr aufwendigen und vor allem kurzfristigen Vorbereitung, wurde es nun heute ernst. Erster Reiseabschnitt Tegel – Dohar (Quatar). Natürlich nicht rechtzeitig los gekommen, wie ich eigentlich geplant hatte, aber das ist ja meistens so. Vor allem wenn man bis Nachts um 1:00 noch mit Packen beschäftigt ist und nebenbei noch ein bisschen so tun will, als ob man eine Seminararbeit schreibt. An dieser Stelle einen großen Dank an meinen Übungspartner.

Letztendlich stellte sich heraus, dass ich mir relativ umsonst Sorgen gemacht hatte. Zum einen war ich 1:50 Stunde vor Abflug am Terminal und die Schlange war wieder einmal phänomenal. Sie reichte quasi von einem Gate-Schalter zum nächsten und bewegte sich gefühlt rückwärts. Da ich kein großer Fan vom sinnlosen rumstehen bin, habe ich also erst einmal eine Raucherpause eingelgt, um mich nicht weiter über so intelligente Touristen aufzuregen, die es zu viert schaffen einen halben TXL zu besetzen, da sie einfach mal gekonnt den Mittelgang mit Gepäck vollstellen. Ich hatte so eine gewisse Vorahnung, dass mir ähnliches heute noch häufiger passieren würde.

Abgesehen davon, dass das Terminalpersonal von Quatar Airways offensichtlich keine Geschwindigkeitsrekorde gewinnt und mit einer Rollstuhlfahrerin anscheinend schon völlig überfordert war, haben sich die Leute von Quatar Airways noch eine kleine Neuigkeit einfallen lassen. Irgendwann kam ein Mitarbeiter mit einer Rolle transparenter Plastiksäcke und einer Hand voll Kabelbindern an und forderte uns freundlich aber bestimmt dazu auf unsere großen Rucksäcke, die wir einchecken wollten, einzupacken. Ich hab nicht weiter nachgefragt, ob man dadurch Manipulation erkennen soll oder ob es das Gepäck schützen soll und tat wie mir befohlen, in guter Deutscher Schlangesteh-Mentalität.

Jeder der schon einmal mit einem vollen 75l Backpack-Rucksack unterwegs war, weiß dass es kaum etwas bekloppteres geben kann, als diesen in Plaste einzupacken und sich somit jeder Tragemöglichkeit zu berauben. So kam es wie es kommen musste, als ich letztendlich den Rucksack aufs Gepäckband warf war die Hälfte der Verpackung bereits kaputt. Beschwert hat sich keiner und ich hoffe einfach mal, dass das gegen Regen oder so schützen soll und mein Koffer keine Extrainspektion bekommt.

Ich glaube mein Koffer rollte letztendlich drei Minuten aufs Band, nachdem offiziell das Boarding beendet war. Die Sicherheitskontrolle war wieder einmal lustig und die Kontrolleure hatten offensichtlich Spaß. Meine beiden Feuerzeuge haben sie nicht gefunden und ich Depp hab sie danach auch noch weggeschmissen. Warum eigentlich? Ist das diese deutsche Untertanenmentalität? Da stand ein Behälter wo drauf hingewiesen wurde Feuerzeuge zu entsorgen und ohne Nachzudenken habe ich sie entsorgt. Beängstigend!

Dann als einer der letzten in den Flieger, A320 also noch die Kuschelvariante und ein Platz am Gang. Ich finde nach einem halben Dutzend Lang- und Kurzstreckenpflügen kennt man das was da draußen so los ist und außerdem hatten wir eine GPS-basierte, hochauflösende Reisekarte 😀

Irgendwann gings dann auch mal los. Wir waren eh schon durch das Einchecken verspätet und den Kommentaren der Bodencrew zu Folge war der Captain ein pedant und stand ungewöhnlich lange vor dem Flugzeug. Naja lieber doppelchecken als gar nicht, dachte ich bei mir und stieg ein.

Dann kam das übliche BlaBla zur Sicherheit und leider machen das alle nur noch per Video wie mir scheint. Richtiges Steward(essen)ballet bekommt man heute gar nicht mehr für sein Geld.

Auf den obligatorischen Tomatensaft habe ich ausnahmsweise mal verzichtet. Seit Dieter Nuhr (oder wer auch immer) das in seinem Programm eingebaut hat, kann ich das einfach nicht mehr so genießen wie früher. Viel interessanter fand ich den Alkoholkonsum um mich herum. Mein Nachbar in unserer Sitzreihe bestellte sich erstmal einen „Whisky on the Rocks“ und die Damen auf der anderen Seite des Ganges gleich mehrmals Wein. Sportlich, es war immerhin erst 12:15 Uhr und das Essen wurde noch nicht serviert.

Leider führte das bei der beleibten Dame auf der Außenbahn der anderen Sitzreihe dazu, dass sie zur Alleinunterhalterin für komplette 5 Sitzreihen wurde und so laut konnte ich mein Headset leider nicht einstellen. Allerdings relativierte sich mein Ärger durch das Mitleid für den vermutlich indischenstämmigen Mann vor ihr, der von ihr dauernd voll genölt wurde, sobald er seinen Sitz auch nur ein Stück nach hinten bewegt. Andererseits war es auch verständlich, führte es bei der Dame doch dazu, dass kein Platz mehr zwischen Bauch und Klapptisch blieb und ein lustiges Chaos aus leeren Weinflaschen auf selbigem umher kugelte.

Die Ausstattung von Quatar Airways ist recht ordentlich und moderner als das was ich letztes Jahr bei Singapur Airlines gesehen habe. Inzwischen hat jeder einen Monitor mit Touchscreen mit diversen Funktionen. Die Software ist noch nicht ganz rund und als Informatiker würde ich da einige Dinge als Verbesserungswürdig ansehen aber ansonsten ein ganz nettes Spielzeug. Allerdings schien mir die Auswahl an Filmen niedriger zu sein, dafür konnte man ein recht anständiges Repertoire an Musik, im iTunes-Stil durchsuchen.

Beim Essen liegt aber Singapur Airlines weit vorne. Das Essen von Quatar Airlines war jetzt nicht unbedingt schlecht aber kein wirklicher vergleich. Schöne Randnotiz war dann auch, wo die Flugbegleiterinnen den übrig gebliebenen Kaffee und Tee in den Toiletten entsorgten. Allgemein fand ich es etwas bizarr, dass man sich bei Quatar Airlines offenbar für das Modell offene Küche entschieden hatte und man den Damen zusehen konnte, was sie so zubereiteten. BTW bin ich eigentlich der einzige der sich auf Flugzeugtoiletten regelmäßig den Schädel an der Tür einschlägt?

Irgedwann war dann auch Zeit für den Landeanflug, was ich im Bezug auf die englische Aussprache unseres Piloten ein wenig beeindruckend empfand. Zwar bekamen wir immer mal wieder Ansagen, aber ich habe Al Pacino in einem 80er-Jahre-Film besser verstanden, als den Menschen der mein Schicksal in seinen Händen hatte. Ansonsten ein recht angenehmer Flug, nur einmal, als mich ein Wassertropfen der halb gefroren zu sein schien, von oben traf wurde ich etwas unsicher.

Ankunft in Doha (Quatar)

Der erste Schritt aus dem geschützten Bereich der Gangway war wie ein Schlag ins Gesicht. Obwohl die Sonne bereits Untergegangen war, waren noch immer 35°C und eine ungewöhnlich hohe Luftfeuchtigkeit. Natürlich gab es einen Shuttle-Bus in dem in Endlosschleife erklärt wurde, wo man mit welcher Farbe der Tickets aussteigen muss.

Netterweise ging der Check-Inn im Terminal recht zügig, kein Vergleich mit dem Bisschen was Tegel in 2 Stunden nicht wirklich bewältigt hat. An jeder Ecke stehen Securities, Personal von der Fluggesellschaft oder Mitarbeiter vom Duty-Free, die einem auch gerne weiter helfen. Das schönste Erlebnis war wohl der erste Raucherraum nach dem Flug, gleich hinter der Sicherheitsschleuse:

Für alle die so etwas noch nie gesehen haben (wie ich). Man stelle sich einen nur wenige Quadratmeter großen Raum vor (20m² wenn es hoch kommt) und da standen acht Aschenbecher und drum herum die ganzen Süchtigen. Nicht, dass ich unbedingt hätte rauchen müssen, aber ich wollte das einfach mal von Innen sehen, nachdem ich daran vorbei gekommen bin. Die Luft wurde von Abluftanlagen an der Decke gefiltert. Zumindest taten diese ihr bestes. Ich kann mich an einige Kneipenabenden erinnern, bei denen eine ähnliche Luft herrschte. Am beeindruckendsten war sicher der ca. 15cm hohe Haufen grauer Zigarettenasche, gespickt mit Zigarettenstummeln wie ein Mettigel. Der erste Moment wo ich eine Kamera vermisst habe. Da kann einem das Rauchen fast vergehen.

Natürlich nur fast und so bestand meine erste Mission die Suche nach Wasser und Zigaretten. Man finde mal in einem Flughafen eine einzelne Schachtel Zigaretten! Nach drei Verkäufern wusste es auch einer, natürlich in dem Laden wo ich zuerst war, nur eben an der Kasse. Wer sich jetzt fragt, warum ich die Chance nicht genutzt habe und gleich mal ne Stange mitgenommen habe, dem sei erklärt, dass in Singapur Zigaretten ab der ersten Kippe einfuhrsteuerpflichtig sind und man in Singapur sowieso kaum Orte zum Rauchen findet.

Blieb dann nur noch das Problem der Bezahlung. Erst hatte ich überlegt mir ein paar $US Spielgeld zu holen, aber wozu? Zu meinem Glück werden sowohl Euro als auch Visa-Karten allgemein akzeptiert, bei Euro muss man halt nur mit Rückgeld in QR (Quatar Rupien) für die Centbeträge leben können.

Ansonsten ein sehr großer und sauberer Flughafen, bis halt auf die Raucherzimmer. Viele arabische Männer tragen hier Dischdascha und Turban und arabische Frauen habe ich bisher meist in schwarzen Abajas mit Hidschab zum Teil voll und zum Teil unverschleiert gesehen. An beinahe jedem Computerbildschirm beim Check-Inn oder an den Sicherheitskontrollen sind Frauen tätig. Natürlich gibt es auch noch Frauen in Airline-Uniform.

So langsam rächt es sich, dass ich meine Strickjacke nicht im Handgepäck habe, es ist doch recht kalt in der großen Empfangshallte. Glücklicherweise gibt es hier einen Schlafbereich, für den man auch Decken bekommt und den man 3 Stunden lang kostenlos nutzen darf. Vielleicht leg ich mich da nachher mal zum Lesen hin. Jetzt werde ich aber erstmal ein wenig das Gelände erkunden.

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