Video-On-Demand-Dienste, warum sie für Serien unattraktiv sind!

Wer kennt sie nicht, die Fronten zwischen Verwertungsgesellschaften und Nutzern. Auf der einen Seite sehen die Nutzer geldgierige Protektionisten, die keine Ahnung von möglichen Vertriebswegen im Internet haben und auf der anderen Seite sehen die Verwertungsgesellschaften Raubkopierer hinter jeder Tastatur.

Gerade wird die Debatte mal wieder etwas spannend, da auf der diesjährigen Buchmesse der Durchbruch des eBooks prognostiziert wird. Ich möchte dies zum Anlass nehmen und einmal versuchen eine sachliche Analyse zu betreiben, was das Problem dieser Debatte ist und such aktiv den Dialog mit Anbietern.

Meine Ausgangsfrage dabei ist folgende:

Welche Gründe gibt es für Internetnutzer auf illegale Streamingangebote zurückzugreifen, anstatt sich den legalen Video-On-Demand-Diensten zuzuwenden?

Ich bin der Meinung, dass ein Großteil der zwischen 14- und 34jährigen kino.to oder kinox.to benutzen, auch wenn viele Statistiken die Anteile nicht so hoch sehen. Die Frage ist ja immer wie ehrlich man solche Umfragen beantwortet und wie viele potentielle Nutzer mit solchen Umfragen erreicht werden. Ebenso möchte ich mal unterstellen, dass ein Großteil der Nutzer, sich der Illegalität dieser Angebote bewusst ist. Jeder der behauptet, dass diese Dienste legal seien lügt oder ist einfach mal naiv oder dumm. (sorry, aber mal ehrlich)

Doch genug des Rants. Wir haben also eine große Zahl von Nutzern illegaler Angebote von denen die meisten über die Illegalität wissen und meist wissen sie auch, dass es legale Alternativen gibt, doch warum werden sie dann nicht genutzt?

Ich begab mich also auf die Suche und begann bei Maxdome und videoload.de. Nachdem ich ein Konto eröffnet hatte, kam schnell die Ernüchterung. Als Linuxuser bist du kein potentieller Kunde! Beide Firmen benutzen das Silverlight-Plugin zur Darstellung von Medieninhalten, entwickelt von Microsoft, existiert aber auch für Firefox, in einer Windows- und eine OSX-Version. Zwar existiert eine freie Portierung namens Moonlight, als Co-Produktion zwischen Novell und Microsoft aber auf meinem Ubuntu 11.4 mit Firefox 4.7 läuft der Spaß natürlich nicht Out-of-the-Box, ein händisches kompilieren habe ich bisher noch nicht ausprobiert. Vergleicht man das mit den bisher bekannten illegalen Streaming-Angeboten, so ist das ein eindeutiger Rückschritt.
Da ich bei einigen Suchen in den Foren von Maxdome darauf stieß, dass eine Entwicklung einer Linux-Erweiterung bereits seit 2006 von Nutzern gefordert wird, habe ich mich erst einmal weiter mit videoload.de beschäftigt.

Natürlich wird jetzt der durchschnittliche Windows- oder Apple-Fanboy sagen: „Ist halt dein Problem, wenn du sowas wie Linux benutzen willst!“ Und ich würde dem zum Teil sogar zustimmen. Was ich aber mindestens genauso unverständlich finde, ist die Preispolitik und die Sortimentvielfalt solcher Angebote. Ich möchte das an einem Beispiel verdeutlichen.

Wie viele aus meinem Bekanntenkreis, bin ich Fan der Serie „The BigBang Theory“ und schaue sie mir am liebsten im Original an. Ich habe diese Serie also als Ausgangslage für meinen Vergleich genommen.

Bei videoload.de kostet eine einzelne Folge von BBT ganze 0,99€, das macht für die erste Staffel mit 17 Folgen insgesamt 16,83€ für 48h Ausleihe.
Wenn ich nun bei Amazon.de die erste Staffel BBT kaufe, kostet sie ohne Versandkosten 16,68€, ist also billiger und ab 20€ entfällt bei Amazon.de der Versand.
Nun besteht die erste Staffel BBT aus insgesamt 3 DVDs. Würde ich diese bei beispielsweise VideoWorld ausleihen, würde ich pro DVD 1€ pro Geschäftstag bezahlen, das wären dann 6€, wenn ich sie an einem Freitag Nachmittag ausleihe und am Samstag Mittag zurück bringe.
Neben der Tatsache, dass ich bei Amazon.de und VideoWorld auch die Staffel II und III von BBT bekomme, jedoch nicht bei videoload.de (und das obwohl es bei videoload.de zu den Platz 1 Tips der Serienredaktion zählt), bekomme ich in beiden Fällen neben der deutschen auch die englische Fassung und Untertitel. Das gleiche gilt ebenfalls für illegale Streaming-Server, vielleicht mit Ausnahme der Untertitel. Häufig findet man auch ganze Serien mit entsprechenden Untertiteln bei Rapidshare oder P2P-Netzwerken. Videoload.de verliert hier also eindeutig in den Punkten:

  • Preis
  • Features
  • Sortiment

Gegenüber Amazon.de und der Videothek um die Ecke. Als einziges kann es mit der Abrufbarkeit von zu Hause Punkten. Doch warum sollte ich für diesen einzigen Vorteil so viel Geld bezahlen? Wenn ich eine Serie kaufen möchte, weil ich sie mir alle paar Monate anschaue, dann kaufe ich sie mir, eventuell sogar noch günstiger, wenn ein Teil der Metro-Gruppe mal wieder Sonderaktionen macht.

Möchte ich das nicht, sehe ich auch keine Bereitschaft so viel Geld zu investieren, um Fernsehen zu ersetzen. Natürlich gibt es auch eine Abo-Option bei Portalen wie videoload.de und vermutlich machen sie damit auch am meisten Geld. Eine solche Selection kostet im Monat 10€ und ist monatlich kündbar. Aber gerade solche Abo-Angebote werden es meiner Meinung nach in einer Generation schwer haben, die bereits im Teenager-Alter mit Jamba-Abos u.ä. über den Tisch gezogen wurde. Insbesondere, wenn sich das Abo automatisch verlängert:

Auszug AGBs VIDEOLOAD:
„Vertragslaufzeit/Kündigung
3.1 Die Mindestvertragslaufzeit für ein Abonnement beträgt einen
Monat und beginnt mit dem Tag der betriebsfähigen Bereit-
stellung.
3.2 Das Vertragsverhältnis ist für beide Vertragspartner mit einer
Frist von zehn Tagen frühestens zum Ablauf der Mindestver-
tragslaufzeit schriftlich kündbar. Soweit keine Kündigung
erfolgt, verlängert sich die Vertragslaufzeit jeweils um einen
weiteren Monat, wenn nicht spätestens zehn Tage vor ihrem
Ablauf schriftlich gekündigt wird.
3.3 Das Recht, aus wichtigem Grund fristlos zu kündigen, bleibt
unberührt. Ein wichtiger Grund ist für die Deutsche Telekom
insbesondere in den Fällen gegeben, in denen der Kunde die
ihm nach diesen AGB obliegenden Pflichten erheblich verletzt.“

Ebenso schlimm sind die Bezahloptionen. Es stehen lediglich Kreditkarte, Click&Buy (Telekom Unternehmen) und PayPal zur Auswahl. Einen bequemen Bankeinzug, wie ihn jeder drittklassige Online-Shop inzwischen anbietet gibt es nicht.

Ein interessanter Fakt der mir bis zur genaueren Analyse der Abo-Funktion gar nicht aufgefallen war, ist die Aussage, dass man mit der „TV Selection“ (so heißt das monatliche Serienabo) Zugriff auf 300 Serienepisoden hat. Das macht noch immer einen Preis von 0,30€ pro Folge, wenn ich alle in einem Monat schauen würde. Lustigerweise ist das so ziemlich genau der Preis, den ich bereit wäre für eine Folge einer Serie zu bezahlen. Ja, das wären dann etwa 5€ pro Staffel mit 17 Folgen, also genau das was ich in einer klassischen Videothek zahlen würde. Nebenbei sind 300 Folgen, selbst bei nur 15 Folgen pro Staffel gerade einmal 20 Staffeln also etwa 4 Serien, die ich in einem Monat komplett sehen könnte.
Ich wäre ja bereit Video-On-Demand-Dienste zu benutzen, unter der Voraussetzung, dass ich ehrliche Abos bekomme, die sich nicht verlängern ohne dass ich das möchte (also ein klares Opt-In- anstatt Opt-Out-Verfahren) und ich dafür auch entsprechende Auswahl bekomme oder aber ich einen anständigen Preis pro Folge bezahlen kann, der bei maximal 0,30€ liegt.

Wem diese Summe zu niedrig oder zu hoch erscheint, der möge sich folgende Rechnung überlegen. Man schaut jeden Wochentag eine Folge einer Serie über durrchschnittlich 4 Wochen, das sind dann 6€ pro Monat für die persönliche Lieblingsserie und eben 10€ wenn man mehr als eine Serie gerne sieht. Lassen wir nur 175.000 Leute von Kino.to/kinox.to auf ein solches Modell umsteigen, so sind das knapp 1 Mio. Euro.

Bei Maxdome, sieht das ganze sogar noch schlimmer aus. Hier wird sogar zur Nutzung des Internetexplorers genötigt und mir ist noch nicht so ganz klar, warum man einige Folgen von BBT ausleihbar sind (Staffel 4) und andere nur käuflich zu erwerben sind. Auf den ersten Blick würde ich sagen, es liegt daran, dass sie schon auf Pro7 ausgestrahlt wurden. Leihen kann man sich dann eine Folge für 1,49€ und kaufen für 2,49€ und wie gesagt es geht nur das leihen ODER kaufen. Einziger Trost, es gibt die Folgen sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch zum Download.

Sicher es mag nicht nur an den Anbietern wie Maxdome und videoload.de liegen, sicher sind WarnerTV und die anderen Vertriebe genauso Schuld daran, dass die Preise sich derart entwickeln, aber zum einen zeigt schon dieser Preisunterschied, dass es wohl durchaus Spielraum gibt und zum Anderen ist es dann auch die Aufgabe der Verleiher Druck auszuüben. Letztendlich bleibe ich bei meiner alten Einschätzung, dass deutsche Video-On-Demand-Dienste im Allgemeinen für Serienfreunde keine ernsthafte Alternative darstellen.

Also doch wieder im Fernsehen aufnehmen, den Serienabend über die Videothek organisieren oder direkt gemeinsam kaufen und untereinander verleihen und/oder tauschen. Das ist nicht nur legal sondern auch billiger.

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2 Antworten zu Video-On-Demand-Dienste, warum sie für Serien unattraktiv sind!

  1. VoD im Einzeldienst setzt sich nicht durch – die Penetration in Deutschland beträgt konstant unter 4%. VoD hat hierzulande nur eine Chance, wenn es im TriplePlay mit Telefon und Internet angeboten wird. Dort liegt das Preisniveau aktuell bei 30-35 Euro im Monat und es wird versucht VoD als Argument für den Mehrwert eines Anbieterwechsels darzustellen.

  2. lennaron schreibt:

    Ja das ist durchaus verständlich, aber eben relativ verlogen, wenn man die Debatten über illegale Sharehoster und Streamingportale betrachtet. Und für Kombi-Angebote zwischen 30 und 35€, naja das wären dann für videoload.de halt 20€ fürs Internet bei Anbieter X, 5€ pro Monat für Kinofilme und 10€ für Serien. Komm ich aufs Gleiche raus. Ich finde, dass man um illegale Nutzung von Inhalten Einhalt zu gebieten, einfach mal vernünftige Inhalte schaffen sollte und mein Problem mit diesen Kombiangeboten ist halt, dass ich keinen Fernseher besitze und nur sporadisch fernsehe (meist ÖR). Wenn ich mal Serien und Filme schaue, dann konzentriert am Stück, wenn ich mal ne Woche krank bin oder Ferien habe. Warum soll ich also 12 Monate oder sogar 24 etwas bezahlen, was ich effektiv nur einen oder zwei Monate lang benutze?

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