Wenn der Innenminister zweimal klingelt

Ja, eigentlich wollte ich an dieser Stelle quasi live von einer Veranstaltung berichten, die heute an unserer Uni stattfand.

„Staatsfeind WikiLeaks – Wie Julian Assange Politik und Medien herausfordert“

Beginn war 18:30 s.t. und ich war so ziemlich genau zu 18:30 Uhr da, wenn nicht sogar ein paar Minuten früher. Vor der Tür des hinteren Eingangs beim Audimax stand auch gleich mal ein Rettungswagen und im Foyer langweilten sich ca. 6 Sanitäter. Ich fragte mich, was ein Herr Minister zu befürchten hätte und suchte nach der einsatzbereiten Hundertschaft. Ich fand aber keine, war mir aber ziemlich sicher, dass es irgendwo eine gab. Kaum im oberen Stock angekommen, der erste Schock eine Schlange von ca. 80 Leuten vor der Garderobe des Audimax und der freundliche aber bestimmte Hinweis eines sehr muskulösen Sicherheitsmenschen, dass man erst ins Audimax komme, wenn man an der Garderobe Jacken, Kameras, Laptops und Handys abgegeben hätte.

Sehr schön dachte ich, das passt ja wie die Faust aufs Auge. Eine Debatte über Wikileaks und dann alle Medien aus dem Saal verbannen. Dafür konnte man direkt vorm Eingang zum Audimax das gleichnamige Buch erwerben, ich hab nicht gefragt was es kosten soll, vermutlich die 15€ die es immer kostet.

Nach einer halben Stunde in der Schlange stehen hatte ich dann endlich meine Sachen abgegeben und machte mich auf dem Weg ins Obere Stockwerk um wenigstens auf dem Rang noch etwas mitzubekommen. Da standen dann aber wieder breitschultrige Sicherheitsmenschen die mir mitteilten, dass keiner mehr eingelassen werde. So im Nachhinein finde ich es allerdings interessant, dass ich in der Zeit die ich dann vor der Uni noch eine Frustzigarette geraucht habe, der Hochschulprofessor aus der Garderobenschlange, der mich die ganze Zeit in ein Gespräch verwickeln wollte, nicht aus dem Gebäude kam. Aber vermutlich alles nur Zufall und wir wollen ja niemanden vom Spiegel unterstellen, dass bei einer Veranstaltung der Humboldt-Universität bärtige Studenten nicht mehr eingelassen werden und dafür ältere Herren.

Auf jeden Fall eine sehr komische Erfahrung. Wenigstens hat Markus von Netzpolitik mitgeschrieben. Tja Presse müsste man sein, dann passiert es einem wohl nicht, dass man in seiner eigenen Uni nicht mehr reingelassen wird. Als wir die Leute vom Sicherheitsdienst gefragt haben, ob wir uns nicht einfach hinstellen oder aufs Fensterbrett setzen könnten (was wir als Studenten in überfüllten Vorlesungssälen gewöhnt sind) wurde uns das natürlich verweigert.

Als Quintessens aus dem ganzen, muss ich doch die recht kommerzielle Idee dieser Veranstaltung kritisieren. Es wimmelte von Spiegel-Werbung, Bücher wurden angeboten und nur den Medienvertretern war es erlaubt Technik irgendwelcher Art mit in den Saal zu nehmen. Wenn mir nun einer unterstellt, dass ich nur sauer bin, dass man mich nicht mehr reingelassen hat, der mag zum Teil Recht haben. Anderseits schien es aber auch Leute mit irgendwelchen Karten gegeben zu haben, die durchgewunken wurden. Würde mich mal interessieren was das für Menschen waren, nach Studenten sahen sie nicht aus.

Was solls, beim nächsten Mal eben einfach ne Stunde eher da sein, dann klappt das bestimmt mit dem Besuchen öffentlichern Veranstaltungen, fragt sich nur was man dann in der Zeit so macht, ohne Handy, Laptop und Kamera?!

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