Und wieder eine VV der HU

Der Monat hat gerade erst begonnen und wieder einmal eine Vollversammlung der Studenten der HU-Berlin. Nach den eher bescheidenen Erlebnissen bei der letzten VV vorige Woche wollte ich eigentlich nicht mehr an solchen lustigen Veranstaltungen teilnehmen, aber da sie heute 14 Uhr stattfindet und ich eh gerade nichts zu tun habe, wende ich mich für zwei Stunden der Vertretung meiner studentischen Interessen zu.

Letzte Woche hatten wir Besuch von Herrn Markschies unserem Präsidenten und auch wenn er einige Punkte unterstützt hat und inzwischen aktiv das Gespräch mit den Studenten sucht, war die Veranstaltung nicht so inhaltsschwer. Was ich nicht so schön fand, war der Handzettel „Zum Umgang mit Markschies“ auf dem die Streikleute uns erklären wollten, wie wir mit unserem Präsidenten umgehen sollten.
Davon abgesehen ist es sehr positiv, wie Markschies sich für unsere Interessen stark machen möchte, es bleibt nur die Frage wie seine Ideen finanziert und umgesetzt werden sollen, vor allem da er nicht mehr lange Präsident sein wird und noch nicht klar ist, wer nach ihm kommen wird.

Mal schauen wie es heute verläuft. Erstmalig ist Adlershof mit einer richtigen Live-Schaltung dabei, vielleicht bricht heute nicht dauernd die Verbindung ab. Lustigerweise ist die Verbindungsqualität aber so schlecht, dass man nicht mehr erkennt, wer da gerade am Mikro steht. Für die paranoiden Streikteilnehmer sicher nicht schlecht.

Nach der obligatorischen Vorstellung der GO und der Rederegeln, gibt es kurze Berichte von der Bundesebene und zum Einstieg den Trailer der Studentenstreiks 2003/4.

Dann werden noch einmal die bisherigen Geschehnisse an der HU und an anderen Unis vorgestellt und ein GO-Antrag jagt den nächsten.
Jetzt wird uns wieder ein schlechtes Gewissen geredet, weil allein gestern Abend nur 8 Leute im Audimax zur Besetzung waren. Und dass es ja nicht ausreiche, wenn man alle zwei Wochen zu einer VV kommt und seine Solidarität bekundet.

Dazu mal ein paar Anmerkungen:
Liebe Streiker aus Mitte. Ihr habt nicht jede Woche Übungen abzugeben, die ihr nur dann lösen könnt, wenn ihr zu den Vorlesungen und Praktika geht, bei denen auch eine Anwesenheitspflicht besteht. Hinzu kommt, dass nicht alle die Besetzung unterstützen und sie für gut befinden. Also seid lieber froh, dass überhaupt Leute zu den VVs kommen und beleidigt sie nicht auch noch.

Aber zurück zur VV: Es gibt auch Redner die eine gewisse satirische Qualität an den Tag legen und es schaffen, die alt bekannten Phrasen und Missstände auf lustige Art vorzutragen, aber mal ganz ehrlich. Dass Bildung eine Ware ist und dass die Berthelsmannstiftung ein äußerst kapitalistisches Institut ist, ist für Leute, die sich ein wenig in der Stiftungslandschaft auskennen keine Neuheit.

Jetzt sind wir wieder bei der Debatte des Konkurrenzdenkens und dass man doch den Staat und die bestehende Gesellschaftsordnung ablehnen sollte. Das erinnert mich an Freitag, wo auf den Toiletten eine Kommunismusdebatte mittels Bleistift geführt wurde. Die Debatten bleiben die gleichen, aber immerhin werden die Debatten so geführt, dass sie schnell und einfach wieder entfernt werden können. Ähnlich wie im neuen Wiki des Streiks unter www.10099.de schön, dass es jetzt endlich ein Wiki gibt, in dem auch jenseits der besetzten Räume debattiert werden kann.

Es ist 15:10 Uhr und während die AGs noch immer ihre Arbeitsergebnisse vorstellen, ist der Saal hier in Adlershof hinter Timm’s schon so gut wie leer. Von den Anfangs vielleicht 80 Leuten sind noch gut 30 da.

In Mitte werden weiter die Ergebnisse vorgestellt, jetzt geht es um die Bildungskritik, alles beim alten. Wir haben kein Geld, Geld für Bildung nicht für Banken, Deutschland auf Platz 24 der 28 OECD Staaten im Bildungsvergleich usw.
Wir solidarisieren uns mit allem und jeden und eine neue Präambel soll verwendet werden in der das alles noch einmal aufgeführt wird, die dann dem allgemeinen Forderungskatalog vorangestellt werden soll. Es gibt jedoch auch viele Gegenreden.
Der Antrag wurde mi einer großen Mehrheit vertagt. Allein in Adlershof betrug die Zahl der Enthaltungen 10, von geschätzten 25 bis 30 Teilnehmern.
Anschließend meldet sich noch jemand und fragt, warum sich diese AG genau so benannt hat und wieder einmal fällt mir Karl Valentin ein, mit seinem Zitat:

„Es ist schon alles gesagt! Nur noch nicht von allen!“

Nun wird es aber doch noch etwas inhaltlich und wir reden über den Brief von Herrn Markschies in dem er die Fachschaften zum Gespräch einlädt. Antrag dazu: Es soll eine Konferenz geben, bei der sich die Fachschaften koordinieren und dazu abstimmen sollen. Mit großer Mehrheit angenommen.

Kurzer Aufruf für morgen Treffen des Akademischen Senats und nun geht es zur Mobilisierung für die KMK am 10.12.2009
Es ist 16:00 Uhr und in Adlershof sind noch ganze 25 Studenten von allein 4714 Studenten der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät II, anwesend.

Es gibt so Redner, da verdreht man schon die Augen, sobald sie das Mikrofon in der Hand haben. Genau so ein Redner ist gerade wieder dabei die KMK-Aktionen zu kritisieren. Interessanter Aspekt ist, dass er es schafft Studiengebühren und Beziehungsprobleme in einen Satz als Begründung zu verwenden.
Und wieder kommt es zu Verwirrungen bei Abstimmungen über Geschäftsordnungsanträge, als jemand versucht Einfluss auf die Gestaltung der Proteste in Bonn zu nehmen.
Wir stimmen jetzt doch darüber ab, ob es Busse geben soll die später aus Bonn zurück fahren. Auch wenn wir gar keinen wirklichen Einfluss darauf haben, in Adlershof kommt eine pro Stimme und der Rest Enthaltungen. Ich bin sowieso dafür, dass mit der Bahn gefahren wird, anstatt mit Bussen und wenn wir dabei sind, stelle ich den GO-Antrag, dass die Sonne länger scheint, um im Winter Strom zu sparen.

Es ist 16:15 und wir beenden mit solidarischen Grüßen an die Schüler und die TU-Berlin (nicht Brandenburg!), letztere machen am Samstag eine Demo, aber keiner weiß warum, trotzdem solidarische Grüße. Und so langsam hab ich auch genug von dieser VV und ich verlasse das Gebäude…

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Eine Antwort zu Und wieder eine VV der HU

  1. Finchen schreibt:

    jaha es gibt dinge die scheinen überall gleich

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