Welches Modul hätte Humboldt belegt?

Unter diesem Titel läuft die erste große Veranstaltung im Wissenschaftsstandort Adlershof der Humboldt-Universität im Rahmen des Bildungsstreiks 2009. Obwohl die Veranstaltung um 17:00 Uhr angesetzt wurde und somit erst nach dem Ende der meisten Lehrveranstaltugnen stattfindet, ist der Konferenzraum beinahe vollständig gefüllt, also um die 200 Leute haben sich hier eingefunden.

17:15 Vorstellungsrunde des Podiums: Prof. Seitz (Chemie), Prof. Dahme (Informatik), Prof. Ellenberg (Geographie), Frau Schwedler (Prüfungsamt Geographie), Prof. Narr (Politik). Mathias Krüger (FSI Psychologie)
Moderation: Kristina Redecker

17:25 Beginn der Diskussion mit einer Beschreibung des Eindrucks der aktuellen Situation

Prof. Dahme kritisiert, dass die Studienökonomie immer mehr im Mittelpunkt des Studiums steht und fakulative Veranstaltungen sehr schlecht besucht werden, deshalb ist er dafürer, dass Lehrveranstaltungen bewertet, auch wenn er kein Fan des Bachelor/Master-Systems ist und die aktuelle Situation etwas zu verschult findet.
Prof. Seitz weist darauf hin, dass ein ökonomischer Druck besteht schnell mit dem Studium fertig zu werden und die Optimierung der Studiengänge weiter voran schreitet. Er ist aber auch der Meinung, dass das Chemiestudium früher anstrengender war als heute. Gegenwärtig stört ihn am modularisierten Diplom, dass die mündlichen Gesamtprüfungen wegfallen und die Ausbildung zum Generalisten mit hoher „Halbwertzeit“ des Wissens zurück gedrängt wird.

Prof. Ellenberg gibt zu bedenken, dass es früher zwar keine Anwesenheitspflichten gab, dafür aber die Studenten nur im Ausnahmefall fehlten. Es gab eine hohe Selbstständigkeit der Studenten im Studium.

Leider gibt gleich mein Akku den Geist auf, ich schreibe nachher die Ergebnisse.

Prof. Narr:
Es ist nicht angebracht die Vergangenheit zu loben und man muss sich immer wieder die Rolle der Universitäten, sowohl der Professoren, als auch der Studenten in der Zeit des Nationalsozialismus bewusst werden. Vor allem durch das Staatsbeamtentum im Wechsel vom 19. zum 20. Jahrhundert. Durch die zunehmende Differenzierung der einzelnen Wissenschaften, kann man seit dieser Zeit kaum noch von einer „Universitas liberarum“ sprechen. Dann beschreibt er die Zeit der 68er Revolution, seiner Meinung vor allem ausgelöst durch die sehr autoritären Strukturen an den Universitäten. Trotzdem ist er der Meinung, dass diese Struktur den Studenten mehr Freiräume bereit stellte, als dies heute der Fall ist.

Frau Schwedler: Als Mitarbeiterin der Verwaltung, hat sie die Erfahrung gemacht, dass die Einführung der modularisierten Studiengänge zu einem erhöhten bürokratischen Aufwand geführt haben. Ihrer Ansicht nach hat sich der Arbeitsaufwand annähernd verdreifacht und das bei gleich bleibenden personellen Mitteln.

Es folgt eine Diskussion zur Fragestellen, welche Ziele ein Studium in der heutigen Zeit verfolgt. Geht es um eine Vorbereitung für das Berufsleben oder um das Ideal der freien Bildung?

Ein Anwesender gibt zu bedenken, dass es früher einzelne, semesterübergreifende Prüfungen gab und dass diese zu Gunsten der Modularisierten Abschlussprüfungen aufgegeben wurden, was eine der Forderungen früherer Studentenpoteste war. Er gibt zu bedenken, dass sich Forderungen häufig zwischen dem Bestehenden und der Alternative drehen. Ebenso vertritt er die Meinung, dass Personalentscheidungen an der Universität schon lange nicht mehr einem demokratischen Prozess unterliegen und meist im Vorfeld ausgehandelt werden. Ebenso erscheint im das Studium zu breit gefächert, als dass ein ausschließlich Berufs vorbereitende Hintergrund ersichtlich scheint. Dennoch bleibt der Hinweis darauf, dass die zukünftige Entwicklung der Studienfächer nicht zu sehr an wirtschaftlichen Berufsbildern orientiert werden sollte, da diese stark dem Wandel der Zeit unterliegen und sich häufig verändern.
Ein andere Teilnehmer der Diskussion äußert Kritik daran, dass bei der aktuellen Modularisierung und Verschulung des Studiums es kaum möglich ist, seinen Studienschwerpunkt individuell festzulegen.
Allgemein bleibt die Frage im Raum stehen, ob ein Studium mehr individuelle oder gesellschaftliche Ziele hat, die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Meine Motivation für das Verbleiben in dieser Veranstaltung war nach 90 Minuten so weit gegen 0 tendiert, dass ich beschloss mich anderen Dingen zu widmen. Es hätte eine interessante Diskussion werden können, aber leider war es mehr oder weniger eine Darstellung  persönlicher Meinungen und es wurde so gut wie gar nicht auf die Meinungen der anderen eingegangen. Dies ist für eine Podiumsdiskussion nicht ungewöhnlich, für mein Verständnis aber wenig Ziel führend und so kann ich durchaus damit leben, dass ich den Rest der Diskussion nicht mehr miterlebt habe. Vielleicht war ja jemand länger dabei und möchte hier von weiteren Ergebnissen und Themen berichten?

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