Bildungsstreik 2009

Die drei Jahre sind wieder um, das heißt es steht einmal wieder ein Bildungsstreik ins Haus, der erste in meiner akademischen Laufbahn. Man muss der Fachschaft auf dem Außencampus Adlershof anrechnen, dass sie die Vollversammlung in Mitte, die aktuell stattfindet, per Live-Übertragung in Adlershof ermöglichen.

Mehr aus Nostalgie, als aus wirklichem Interesse habe ich mich mit einer halben Stunde Verspätung mit hinein gesetzt, um einmal zu schauen, was da so los ist. Es finden sich sogar einige bekannte Gesichter aus dem Fach Informatik unter den Anwesenden. Laut Veranstalter sind ca. 200 Leute in 2 Räumen anwesend, dies ist zwar noch immer nicht sehr viel aber für das eher unpolitische Adlershof der Naturwissenschaften schon ein großer Erfolg.

Was wird gefordert? Naja das Übliche, weniger Arbeitsbelastung, keine Einbußen bei Überschreitung der Regelstudienzeit und alles was eigentlich immer gefordert wird. Einige Leute verließen Punkt 14:45 Uhr den Saal, in Adlershof die übliche Zeit für die Mittagspause.

15:00 Uhr es beginnt die Diskussionsphase und ich überlege, ob ich weiter diesen üblichen Forderungen zuhöre oder mich meinen Kommilitonen zu Theoretischer Informatik III anschließe. Allerdings finde ich die jetzt stattfindende Debatte um die politisch korrekte Bezeichnung von “Schaumküssen” (Süßigkeit) durch einen Professor wieder einmal bezeichnen für solche Diskussionsrunden. Also werde ich eine Pause einlegen, mit meinen Leuten reden und dann vielleicht noch einmal vorbei schauen.

PAUSE

Leider habe ich verpasst, als die Forderungen verlesen wurden, aber das kann man ja alles auf der Veranstaltungsseite oder hier auf dem Beamer nachlesen. Jetzt bekommt man auch ein wenig vom Saal in Mitte zu sehen und das Audimax ist voll.

Forderungen (sinngemäß):

  • freien Master für alle
  • realistische Studienanforderungen (weniger Workload, keine “aktive Teilnahme”
  • Abschaffung der Zwangsberatung
  • Abschaffung der Anwesenheitskontrolle
  • keine “Funktionsstörungsatteste” im Krankheitsfall zu Klausuren
  • faire Bezahlung der Dienstleistungen im Studienbetrieb
  • faire Bezahlung der Lehrbeauftragten
  • keine Zwangsexmatrikulation von Langzeitstudierenden in Magister und Diplom
  • Kein “Kaputtsparen” von Fächern (Ur- und Frühgeschichte sowie Interkulturelle Fachkommunikation)
  • mehr Bücher und Dubletten für das Grimmzentrum und die Beibehaltung der gültigen Ausleihmodalitäten
  • Essen im Innenhof der HU (Hauptgebäude Mitte)
  • Ausweitung und Verlängerung der Öffnungszeiten des Grimm-Zentrums

So, nun wird noch einmal darüber diskutiert welche Möglichkeiten es gibt Dinge zu verändern und welche Protestformen eingesetzt werden können. Ganz klar zeigt sich dabei, dass die Bedeutung von Berlin und den Berliner Universitäten für ganz Deutschland hoch gehalten wird.

Jetzt kommen auch mal die Leute aus Adlershof zu Wort, die Umschaltung klappt nach anfänglichen Schwierigkeiten gut.

Es wird noch einmal betont, dass es keine zentralen Vorgaben für Protestformen gibt und jede Aktion willkommen ist und großes Vertrauen in die Kreativität der Studenten besteht.

Jetzt erfolgt die Abstimmung über den oben genannten Forderungskatalog, es herrscht wie bei jeder guten Basisdemokratie ein wenig Streit ob im Block oder jeder Punkt einzeln beschlossen werden soll, zumindest hier im kleinen Saal in Adlershof, natürlich erst nachdem die Mehrheit abgestimmt hat. Aus dem Nachbarraum in Adlershof kommen noch ein paar Adlershof spezifische Forderungen zur Verbesserung des Campus. Nachdem die Mehrheit bei uns für die Forderungen gestimmt hat kommt die Regelung des Verfahrens aus Mitte. Gegen einzelne Punkte kann nur mit einer gesamten Ablehnung der Forderungen gestimmt werden aber auch in Mitte wird jetzt noch einmal über die Abstimmung diskutiert, natürlich nach der eigentlichen Abstimmung. Einer ist immer dabei der damit nicht leben kann, aber meiner Meinung nach ist eine Mehrheitsentscheidung ausreichend und wen es stört, der soll dagegen stimmen oder sich enthalten.

Bei der Auszählung der Gegenstimmen kommt es zu Diskussionen und Adlershof koppelt sich von Mitte ab. Allgemein herrscht ein wenig Unklarheit darüber was mit den Forderungen passiert und wie das weitere Vorgehen aussehen soll und es werden Fallbeispiele durchgespielt, also alles nach Schema F der unorganisierten politischen Willensbildung.

Fazit der Abstimmung:

Ich hab keine Lust das Chaos weiter zu protokollieren und schreibe nur noch das Ergebnis mit:

Unser Saal, eine Gegenstimme, 7 Enthaltungen der Rest dafür, was in den anderen Räumen passiert kann ich nicht sagen, man hat bis eben den Ton gekappt, um zu diskutieren. In Mitte werden inzwischen konkrete Proteste angekündigt und um Teilnehmer geworben. Inzwischen ist mein WLAN abgestürzt und wir stimmen jetzt über die Teilnahme am Streik ab und bekommen Infos über die Aktionen in Adlershof, während in Mitte die Schüler zu Wort kommen, ohne dass wir sie hören können, der Protest über letzteres ist eher verhalten.
Nun wird uns noch einmal erklärt, wie der Streik definiert ist, es soll keinen Ausfall von Lehrveranstaltungen oder Beschädigungen geben, allerdings sind Blockademaßnahmen unabhängiger Gruppen nicht auszuschließen und der Umgang mit selbigen ist alles andere als klar geregelt.
Unser Raum stimmt eindeutig dafür, allerdings sind sehr viel weniger Leute im Saal als vor der Diskussion über das Verfahren und noch viel weniger als um 14:30 Uhr aber so ist das in der Demokratie, einen langen Atem haben eben nicht alle.

Alles in allem etwas chaotisch, alles etwas unklar aber am Ende steht ein Ergbnis mit dem man Leben kann. Somit ist die HU-Berlin jetzt offiziell beim Bildungsstreik dabei.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Politik & Zeitgeschehen abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu Bildungsstreik 2009

  1. lennaron schreibt:
  2. Manuel Hoffmann schreibt:

    Oh, bei euch wurde abgestimmt? Entweder, ich hab etwas entscheidendes nicht mitbekommen, oder bei mir (TU Kaiserslautern) wird das wirklich nur auf Zuruf gemacht. Wenn ich mir die Website unseres AStA so anschaue wohl letzteres.

    Also Kopf hoch, bei euch wird sich wohl vorher wirklich damit beschäftigt… auch wenn die Art und Weise wie irgendwie zu erwarten an Schülervertretungen erinnert, aber besser als nichts 😉

    • lennaron schreibt:

      Es kam mir auch alles sehr bekannt vor, wie damals in den Schülervertrungsgremien aber naja schaun wir mal was passiert. Dumm ist nur, dass wir auch zum Teil zur „aktiven Mitarbeit“ verpflichtet sind und somit muss ich genau am Dienstag und Mittwoch zur Uni oder ich hätte ein extremes Risiko ein Semester zu wiederholen. Hoffentlich kommt keiner auf die Idee bei uns Blockaden zu bauen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s