Amoklauf und dann?

Normalerweise halte ich mich bei tagespolitischen Dignen etwas zurück, aber dieser Amoklauf geht auch an mir nicht so einfach vorbei.
Während die einen wieder auf einen Ausbau der Überwachung und Waffengesetze anstreben, christliche Stimmen darin mal wieder den Weltuntergang sehen und sich so mancher Politiker wieder profilieren will, werden vermutlich drei Dinge geschehen:

  1. Die Opfer werden, abgesehen von einigen Beileidsbekundungen im Zuge des Medienspektakels mehr oder weniger allein gelassen.
  2. Man wird herausfinden, dass es ein stiller ruhiger Junge war, der sehr viel „Killerspiele“ gespielt oder „Splatter-Movies“ geschaut hat, woran sich eine Debatte über die Gefahren für die Jugend ergeben wird.
  3. Der Täter wird als Einzelschicksal dargestellt, traurige Kindheit, schwieriges Elternhaus usw.
    Mahnende Stimmen über einen gegenwärtigen Trend in der allgemeinen Entwicklung werden vielleicht von einigen vereinzelten Soziologen kommen aber schnell wieder vergessen, bis zum nächsten, traurigen Rekord.

Es wird Zeit, dass endlich mal nach den wahren Hintergründen gesucht wird. Meiner Meinung nach würde eine öffentliche Debatte über moralische Werte und Normen der Gesellschaft mehr bringen, als ein paar Tausend Metalldetektoren an öffentlichen Schulen. Doch was noch wichtiger ist, wenn man eine solche Debatte führt, sollte sie auch ernst genommen werden.
Auf der einen Welt ist die Welt wieder einmal schockiert über eine solche Bluttat, in Afrika und auf der ganzen Welt werden täglich Hunderte Menschen erschossen, es interessiert niemanden. Gleichzeitig gibt es in unserem Land Manager, die 12 Millionen Bonuszahlungen einfordern, die Ihnen zustehen und gleichzeitig macht ihr Unternehmen Verluste, entlässt Mitarbeiter und kürzt Gehälter.
Schaut man sich die allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklungen an, merkt man schnell, es ist kein Phänomen einzelner, das Recht des Dschungels kommt immer mehr an die Oberfläche, zum Darwin-Jahr äußerst passend. Jeder kämpft für sich, das Schicksal anderer ist gleichgültig und diese Einstellung gilt für einen Amokläufer genauso wie für einen Topmanager, beide berechnen eiskalt ihre Ziele, nur mögen bei dem einen die Gier, bei dem anderen die Psyche der Grund für diese Überlegungen sein.
Ironischerweise kommt dies den religiösen Beschreibungen von Sünde recht nahe, aber Religion und Sozialwissenschaften werden nicht zuletzt durch den Anspruch der Moral verbunden.
Mag das Problembekenntnis gleich sein, so ist die Antwort auf die entstehenden Fragen, doch unterschiedlich. Während der Christ die einzige Lösung in der Zuwendung zu Gott sieht, denkt der Sozialwissenschaftler über eine humanistische, breite Wertedebatte nach, was den Austausch mit den Religionen nicht ausschließt.
Doch so weit wird es sicher wieder einmal nicht kommen. Man wird ein wenig diskutieren und wenn es hoch kommt, die Waffengesetze verstärken. Für mich bleibt die beängstigende Wahrheit von Winnenden, dass es hier kein Jugendlicher aus einer Ostdeutschen Problemgegend ohne Zukunftsperspektive war, nein es war ein Jugendlicher mit Ausbildungsvertrag, aus einem der reichsten Bundesländer und das ist für mich einer der erschreckensten Fakten, trotz aller Trauer um die Opfer.

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