Im Netz der Datenhändler

Nachdem ich nun jahrelang im Netz auf Anonymität wert lege, mit Pseudonymen, Wegwerfmailadressen und ähnlichen Tricks versuche, so wenige Daten von mir Preis zu geben, wie es nur geht,  hat es jetzt meine wahre Identität getroffen, die Datenschlepper haben mich im Netz. Glauben sie zumindest…

Der ganze Spaß begann im Oktober, als bei mir ein Brief von der GEZ eintrudelte, in dem die Freunde von der Gebühreneinzugszentrale mir mitteilten, ich solle doch Auskunft über Geräte geben, die ich mein Eigen nenne, auch wenn ich nicht der Wohnungsinhaber wäre, so würde ein eigenes Einkommen von mehr als 281 € dafür ausreichen.

Merkwürdig war nur, dass dieser Brief nur wenige Wochen bei mir eintraf, nachdem ich einen Nebenjob über mehr als genannte 281€ angenommen hatte, doch unterstellen wir dem Staat nichts schlechtes, der Zusammenhang war wohl eher zufällig. Der schönste Spaß folgte ein paar Tage später, als ich einen Besuch bei ein paar alten Bekannten unternahm. Dazu muss man voraus schicken, dass diese Bekannte im Rathaus unserer Stadt arbeiten, denn vor ein paar Jahren habe ich dort sehr viel für eine selbstverwaltete Jugendgruppe im Bereich Jugendpolitik gearbeitet (so der Kram den mancher Möchtegern-Weltverbesserer in seiner Schulzeit neben Demonstrationen halt so macht). Unser damaliges Büro wird noch heute als Jugendbüro verwendet, wenn auch sporadisch besucht und ab und an kommen Seminareinladungen und Newsletter über die Amtspost auf meinen Namen herein, doch dieses Mal fiel mein Blick auf einen grünen Umschlag mit drei dicken Buchstaben darauf. Genau GEZ, die Damen aus der Amtspost waren auch etwas verwundert über diesen, etwas ungewöhnlichen Brief. Sicher hatte ich in der Vergangenheit in diesem Büro so manchen Abend verbracht, aber als Zweitwohnsitz war dieser Raum mit dem alten Sofa und dem lebensfrohen Kühlschrank doch etwas ungeeignet, wenn auch ein hauseigener Putzdienst so seine … aber ich schweife ab.

Da stand ich nun, mit zwei Briefen der GEZ, im ersten wurde mir ja immerhin noch freundlich gesagt, dass ich bei eigenem Einkommen Gebühren zahlen müsste, der zweite war nur die Standardanfrage und lief auch unter völlig anderem Aktenzeichen.

Also ab ans Telefon, Servicehotline konsultieren. Beinahe hätte ich meinen Kaffee verschüttet, so erschrocken war ich, als auch umgehend jemand ans Telefon ging (es war gegen 12 Uhr, ja Mittag!). Die Freundlichkeit mit der meine Beschwerde entgegen genommen wurde, erinnerte mich dann aber gleich wieder an Erfahrungen mit anderen Firmen. Man könne nicht sagen, wann und warum man meinen Datensatz mit der Adresse des Rathauses ergänzt hatte aber wenigstens die Firma könne man mir nennen. Auf meine Androhung mich an die Datenschutzbeauftragten der GEZ wurde nur mit einem müden „Machen sie doch!“ geantwortet, auch solche Reaktionen kannte ich von anderer Stelle schon.

Da mich allein die Erinnerung an das Gespräch an den Rand eines Wutanfalls trieben, unterließ ich es erst einmal mich wirklich an die Datenschutzbeauftragten zu wenden, nachdem nun ein paar Wochen + Weihnachten + Silvester vorbei waren und ich gerade eh nichts besseres zu tun hatte, als neue Freunde zu http://ncludr.com/ einzuladen schrieb ich dann meine Anfrage. Und ein zweites Mal wurde ich von der Antwortgeschwindigkeit der GEZ völlig überrumpelt, ca. 38h für eine Antwortmail, Donnerwetter, war die Antwort schon fertig, bevor die Frage kam, so langsa, scheint mir die GEZ allwissend?!

Nachdem mir noch kurz erklärt wurde, was die GEZ ist und was sie tut kam der spannende Teil, den ich natürlich niemandem vorenthalten möchte:

[...] Zu dem von Ihnen zuerst genannten Aktenzeichen *** *** *** * kann ich Ihnen
bedauerlicherweise  keine konkreten Auskünfte geben, da die diesbezüglichen
Daten  bereits  gelöscht wurden. Die GEZ erhält jedoch keine Auskünfte über
die  Einkommenssituation  potentieller  Rundfunkteilnehmer  oder  sonstiger
Bundesbürger durch Dritte.

Dieser Teil bezieht sich logischer Weise auf die Frage, warum ich kurz nach Abschluss meines Arbeitsvertrags einen solchen Brief bekomme. Zu schade, dass die Daten gelöscht wurden, das hätte mich nun mal aber brennend interessiert, auch wenn ich natürlich mit einer Antwort dieser Art gerechnet hatte. Scheinbar muss der Mensch an der Hotline damals etwas verwechselt haben, denn ich bat ihn ausdrücklich die Adresse des Rathauses aus meiner Datei zu streichen nicht die andere. Oder aber die GEZ legt so viel Wert auf Datenschutz, dass sie nach Erhalt meiner Nachricht, dass es von mir nichts anzumelden gibt, gleich den ganzen Vorgang gelöscht. Es liegt nun an jedem sich selbst eine Alternative zu wählen.

Aber um auf den Kern zurück zu kommen, wie kam eine Adresse in einem Rathaus in die GEZ-Datei eines ehemals ehrenamtlich Engagierten der dort schon längst nicht mehr tätig war. Darüber waren die Datenschutzbeauftragten sehr auskunftsfreudig:

Zu der Aktion, in deren Rahmen Sie unter dem Aktenzeichen *** *** *** * von der  GEZ  angeschrieben wurden, sowie zu der Herkunft der dabei verwendeten Adresse  und  den  rechtlichen  Grundlagen  kann ich Ihnen jedoch Folgendes erläutern:

Die  GEZ  hat  im  Auftrage verschiedener Landesrundfunkanstalten, [...] eine Reihe von   Bürgern angeschrieben, um sie über bestimmte Meldepflichten von Rundfunkteilnehmern zu   informieren   und  um  Anmeldung  eventuell  bisher  nicht  gemeldeter Rundfunkempfangsgeräte   zu   bitten.   Für   diese   Maßnahme   wurde  ein Adressenbestand "Jugendliche mit Haushalt" verwendet, den wir Mitte Oktober 2008  von  der  Firma  AZ  Direct  GmbH,  Postfach  400  in 33311 Gütersloh angemietet  haben.  Die  uns  übermittelten  Daten beschränken sich auf die Namens-  und  Adressenangaben,  wie  in  unseren Schreiben verwendet. Dabei wurde  uns  Ihr  Name in Verbindung mit der Anschrift "***" [*** = Rathaus Anm. d. Autors]  gemeldet.  Mit  den  gelieferten  Daten  führen  wir einen Adressabgleich   gegen   unsere   Teilnehmerdaten  und  die  anonymisierten Sperrdateien  durch.  Sofern  wir aufgrund der übermittelten Adressdaten in unserem    Rundfunkteilnehmerdatenbestand    ein    Rundfunkteilnehmerkonto feststellen  können  oder  ein Eintrag in der Sperrdatei vorliegt, wird die Adresse  aussortiert.  In  den Fällen, in denen – wie in Ihrem Falle – eine Zuordnung  zu  einem  Rundfunkteilnehmerkonto nicht möglich ist (z.B. wegen Abweichungen   zwischen den   bei   der  GEZ  gespeicherten  Namens-  und Adressangaben  und  der von dem Adressanbieter übermittelten Anschrift oder weil  der  Betreffende  möglicherweise kein Rundfunkteilnehmer ist), werden die   Betroffenen   von   der  GEZ  angeschrieben  und  mit  dem  Ziel  der Sachverhaltsklärung um Auskünfte gebeten.
Darüber  hinaus  sollten  im  Rahmen  dieser  Mailingaktion  eigentlich nur Privathaushalte   junger   Erwachsener   angeschrieben   werden.  Ob  diese Voraussetzung  bei Lieferung der Adresse erfüllt ist, können wir allerdings nicht   erkennen,   da   wir   auf   die   Richtigkeit   der   Angaben  des Adresslieferanten,  der  im  Rahmen  dieser  Mailingaktion vertraglich dazu verpflichtet  ist,  uns  nur Anschriften privater Haushalte zu übermitteln, vertrauen müssen.[...]

Aha, die GEZ kauft Daten ein, das ist jedem bekannt der mal etwas tiefer auf ihrer Seite recherchiert, bei der GEZ nennt man das „Mailings“, unter Mailings verstehe ich andere Dinge aber na gut. Aber viel schöner finde ich den Punkt, wo angekündigt wird, dass man den Vertragspartnern vertrauen muss, wie korrekt die Daten sind. Leider steht nicht dabei was der Firma passiert, wenn sie Vertragsbruch begeht, wie hier eindeutig geschehen. Aber immerhin habe ich jetzt einen weiteren Puzzlestein zur Frage, warum man für soziale Arbeit auch noch komische Post von der GEZ bekommt. Vielleicht hätte ich sie den Verantwortlichen im Rathaus geben sollen, damit sie die Geräte der öffentlichen Hand anmelden und der Staat sich selber bezahlt.

Bleibt aber noch immer die Frage woher diese ominöse Firma meine Daten hat, ein Blick auf die Webseite lies mich schmunzeln. Die Überschrift auf dem Header der Seite lautet „Jede Adresse hat ihre Geschichte!“, es ist immer wieder schön zu erleben, wie das Universum seine Ironie zeigt. Erstmal suchte ich vergebens nach einer Stelle, wo man sich als Betroffener hin wenden kann, aber unter dem Vielversprechenden Punkt „Warum uneingeschränkte Kommunikation wichtig ist“ sollte sich doch etwas finden lassen.

Leider führte die Seite nur zum Deutschen Dialog-Marketing Verband e.V. die mir auf ein paar Seiten erklären wollten, wie toll Direktmarketing ist und wie unsinnig, die neuen Datenschutzgesetze der Bundesregierung sind. Naja es herrscht ja allgemeine Meinungsfreiheit und meine Meinung dazu kann sich jeder denken.

Soweit zum aktuellen Stand, als nächstes werde ich diese ominöse Firma mal fragen, wie sie es mit Datenschutz hält und die GEZ werde ich gleich mal fragen, was denn mit Datenhändlern passiert die ja offensichtlich ihre Verträge nicht einhalten.

Auf jeden Fall werde ich an der Sache dran bleiben und Neuigkeiten hier einstellen.

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