Shitstorm im Wasserglas! Erst denken, dann ranten…

Irgendwie war das Thema des gestrigen Tages anscheinend Umgangsformen in Zeiten des Web2.0

Zuerst diese lustigen Debatten im Bundestag in der Fragestunde des Innenausschusses und dann die Fortsetzung in der aktuellen Stunde, die uns noch einmal vor Augen führte, wie Politiker miteinander umzugehen pflegen und dann der erste Shitstorm des Tages, ausgelöst von Fefe‘s abfälligen Kommentar über einen Tweet der Geschäftsführerin der Piratenpartei Marina Weisband. Nebenbei hatte ich noch eine kleine Debatte mit meinem Kumpel @mitgezwitschert über die Äußerungen von Roland Meier und dessen Verständnis von Piratenpartei und der Umsetzung des Jugendmedienstaatsvertrags in der Nassauischen Neuen Presse. Seiner Meinung nach, würde der entsprechende Shitstorm auf sein Interview nicht lange auf sich warten lassen. Etwas später dann die abendfüllende Unterhaltung mit Anne Will zum Thema Cybermobbing.

Viel Gelegenheit also, sich die Kommunikationskultur auf allen digitalen Kanälen einmal anzuschauen und auch sein eigenes Verhalten zu reflektieren. Während der angekündigte Shitstorm beim Fall Roland Meier und seinem Interview gegenüber der NNP relativ verhalten ausfällt, schlagen die Wellen bei Anne Will und im Fall von Marina Weisband wesentlich höher.

Ich möchte mich auf den Fall von Marina Weisband beschränken, da ich vom Twitter-Shitstorm gegen Anne Will nur wenig mitbekommen habe und Twitter weniger nutze als Blogs.

Marina Weisband alias @Afelia hatte also öffentlich bekundet, dass sie die aktuelle Stunde zum Staatstrojaner relativ langweilig fand und sich der Griechenlandkrise zugewandt hatte. Fefe griff es auf uns dutzende von Fefe-Lesern sprangen drauf an. Ich gebe zu im ersten Moment war ich von diesem Tweet auch empört und da ich ebenfalls die Debatte und das Geschehen verfolgte in einem emotionalen Zustand wo mir ein Rant gegen Vertreter der Piratenpartei bereits auf der Zunge bzw. in den Fingerspitzen lag. Doch entschied ich mich diesmal anders und beschloss einfach ein bisschen weiter zu lesen und noch einmal in Ruhe darüber nachzudenken. Letztendlich änderte ich sogar meine Meinung über das von @Afelia geäußerte und war durchaus bereit ihr zuzustimmen.

Warum dieser Sinneswandel?

Ich versuchte mir klar zu machen, was das eigentliche Problem war. Was brachte die Leute, darunter auch mich, so auf die Palme, wenn man solche Kommentare liest. Es ist doch weniger die Tatsache, dass ein solcher Tweet ein mangelndes Interesse am Thema, als vielmehr eine Belanglosigkeit gepaart mit einer Ablehnung gegenüber diesem politischen System darstellt, das die Piraten immer wieder anprangern. Ich selbst habe während der Debatten im Bundestag diverse andere Dinge erledigt, einfach weil diese Debatte den gleichen Stellenwert hatte wie ein Dutzend andere vor ihr. Jeder Politiker würde anhand seines Parteibuchs die üblichen Argumente auffahren und es würde immer die eigene Fraktion klatschen. Am Ende würden es ein paar Zitate in die heute-show oder zu anderen Sendungen schaffen oder als Remix auf youtube.com hohe Klickzahlen erreichen und sicher würde einiges in den Medien stehen aber das war es dann auch schon. Statt drei Stunden seines Lebens diesem langweiligen Gelaber zu opfern, lässt sich der Livebericht in einem der unzähligen Blogs oder auf der eigenen Twitter-Timeline in gut 15 Minuten nachlesen und dann weiß man genauso viel, als ob man zugesehen hätte.

Sicher kann man sich darüber streiten, ob man von einer Geschäftsführerin einer Bundespartei solche Tweets lesen will, aber das ist ihr Privataccount und wenn sie dort Dinge schreibt, ist das zuallererst ihre persönliche Meinung, ganz anders als beispielsweise ein Interview eines Roland Meier, das die NNP scheinbar völlig ohne hinterfragen als Piratenposition abdruckt.

Man schaue sich nun einmal die Kommentare auf der Seite der NNP und im Blog von @Afelia an und versuche dann einmal die beiden Vorfälle gegeneinander abzuwägen, was ihre Relevanz und ihre Außenwirkung betrifft, teilweise sogar das Niveau auf dem diskutiert wurde.

Für mich war das ganze wieder mal ein sehr schönes Beispiel dafür, dass man sich noch mehr auf die Gegenseite einlassen sollte und lieber zwei oder dreimal nachdenken sollte, bevor man sich einem Rant oder einem Shitstorm anschließt, es würde uns allen gut tun und wir könnten die Zeit für sinnvolle Dinge nutzen.

[Update 23.10.2011: Hab den Link zur Anne Will Sendung erneuert]

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4 Antworten zu Shitstorm im Wasserglas! Erst denken, dann ranten…

  1. eurolore schreibt:

    Als Neuling bei WordPress schaue ich mich nur mal um, MfG

  2. Donut schreibt:

    Der Link zur “Anne Will”-Sendung geht nicht. Ich war zwar schlau genug die Sendung zu finden, aber man weiß ja nie ;-)

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